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Im Schlosspark Lützschena
Im Schlosspark Lützschena

Dorfanger, Kesselgulasch & Schlosspark Lützschena-Stahmeln

Was macht Lützschena-Stahmeln vor den Toren Leipzigs auf einem Blog über Ungarn, werden sich viele fragen. Doch hier liegt die Wiege dieses Blogs.

Markranstädt – ein Reiseblog kommt aus Markranstädt? Und dazu noch ein richtig guter. Janina, Katharina und der kleine Spatz Oddy erzählen auf SOS-Fernweh.com spannende und mitunter nachdenkliche Geschichten aus aller Welt. Gelegentlich führen uns diese auch nach Ungarn, etwa nach Sopron. Achja, Markranstädt ist für mich so etwas wie eine zweite Heimat geworden, denn meine Frau stammt von da, und wir sind dort häufig unterwegs. Und welch Zufall, auch Janina hat vor den Toren Leipzigs eine neue Wahlheimat gefunden und jetzt für die Blogparade „Heimatliebe“ gebeten hat, zur Feder (heute heißt das wohl eher Tastatur) zu greifen.

Heimatliebe und Fernweh

Im Aufruf zur Blogparade stellt sich die Frage „Heimatliebe statt Fernweh“? Das schließt sich nicht aus, meine ich. Fernweh und Heimatliebe können gut zusammengehen. Denn warum wir reisen, hängt oft nicht von der Entfernung ab, sondern lässt sich zum gewissen Maße auch in der Nähe erfüllen. Zumal Deutschland ein sehr schönes Land und reich an Sehenswürdigkeiten ist. Daher ein wohlüberlegtes Thema für eine Blogparade, denn – „Willst Du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.“ (Goethe)

Zu den von SOS-Fernweh genannten Gründen für Fernweh und Reisen möchte ich noch ergänzen: Das Entdecken von Essen, Trinken und Lebensart anderer Kulturen. Das scheint zuhause nicht möglich? Doch, hier schließt sich für mich der Kreis und bietet zugleich den Ausgangspunkt für meinen Blog über Ungarn.

Heimat & Ungarn

Spießschwein, Dorfanger Stahmeln, 1994

Spießschwein, Dorfanger Stahmeln, 1994

Warum ich heute über Ungarn schreibe, begann vor gut 30 Jahren praktisch vor der Haustür auf dem Dorfanger. Ungarische Lebensfreude, Spießschwein, Kesselgulasch, Pálinka (oft selbstgebrannt), Singen in Küche. Freunde, Nachbarn und Dorfbewohner treffen sich auf dem Anger. Es war wieder mal Namenstag von László. Für einen Jugendlichen in der DDR war das ein völlig anderes Erlebnis. Und das hat bis heute nichts von seiner Faszination eingebüßt. Heute bereite ich Kesselgulasch selbst im Garten zu, aber so lecker wie „Laci“ schaffe ich es noch immer nicht.

Kesselgulasch anrösten, Dorfanger Stahmeln, 1994

Kesselgulasch anrösten, Dorfanger Stahmeln, 1994

Lieber zwei Kessel im Feuer

Lieber zwei Kessel im Feuer

Ungarn habe ich zu DDR-Zeiten nie gesehen. Reisen führten zu den kleineren Entdeckungen der heimischen Umgebung, zum Wandern und besonders spannend bis in die ČSSR (heute Tschechische Republik). Bald nach der Wende und ersten Besuchen in Italien und Frankreich zog es mich aber auch wieder gen Osten – endlich mal dieses Ungarn betreten. Der erste Besuch mag wohl 1993 gewesen sein. Er führte von Wien aus als Tagesausflug nach Sopron, damals noch mit Grenzkontrollen, langen Staus und dem uralten Dacia, der sich immer schwerer damit tat, im Stau wieder anzuspringen. Sopron war damals schon faszinierend, eine tolle historische Stadt, preiswertes leckeres Essen, Marktstände mit Korbwaren und vielem mehr. Mittlerweile fahren wir oft schon mehrfach im Jahr nach Ungarn.

Schlosspark Lützschena-Stahmeln

Aber zurück zum heutigen Thema Heimatliebe. Alleine ein Dorfanger ist nur spannend genug, wenn dort etwas los ist. In Reichweite für Spaziergänge lockt uns jedoch außerdem einer der schönsten und wohl eher unbekannten Landschaftsparks in Sachsen – der Schlosspark Lützschena-Stahmeln. Zu meinen Schülerzeiten wirkte der damals verwilderte Wald und verwahrloste Rest des Parks eher gespenstisch, Brücken über die Wassergräben im Wald gab es nur noch wenige und die Ruinen ehemaliger seltsamer Bauten luden uns zu kleinen Expeditionen ein. Vielleicht waren wir damals gar in eine Gruft eingestiegen – wer weiß das schon?

Im Schlosspark Lützschena

Im Schlosspark Lützschena

Heutzutage sind Schloss und Park des Freiherrn Speck von Sternburg wieder sehr gut rekonstruiert und bieten Raum für Entspannung und Erholung. Fast etwas wehmütig denke ich jedoch an jene Zeit der mitunter fast mystischen Ursprünglichkeit zurück. Trotzdem ist der Schlosspark heute wunderschön und ein tolles Beispiel für eine gelungene Verbindung von gestalteter und gewachsener Natur, denn der Park nach englischem Vorbild verliert sich nahtlos in den Leipziger Auenwald.

Ententeich im Schlosspark Lützschena

Ententeich im Schlosspark Lützschena

Dianatempel, Schlosspark Lützschena

Dianatempel, Schlosspark Lützschena

Der im Naturschutzgebiet Burgaue gelegene Schlosspark Lützschena-Stahmeln geht auf Maximilian Ritter von Speck Freiherr von Sternburg zurück, der Anfang des 19. Jahrhunderts eine wichtige Persönlichkeit Leipzigs war und gute Kontakte zum russischen Zaren Alexander I. und dem bayerischen König Ludwig I. pflegte. Seine Gemäldesammlung ist heute in Form einer Stiftung Teil des Museums der Bildenden Künste in Leipzig. Übrigens geht auch Specks Hof im Leipziger Zentrum auf jenen Freiherrn zurück. Von der einstigen Sternburg-Brauerei in Lützschena stehen nur noch ausgebrannte Ruinen. Das ehemalige Barockschloss Lützschena wurde bereits im 19. Jahrhundert abgerissen und 1862 vom Sohn des Freiherrn durch den neogotischen Bau ersetzt, wie er heute zu sehen ist.

Schloss Lützschena

Heutiges Schloss Lützschena

Die Gestaltung des Parks erfolgte etwa zwischen 1820 und 1840, wobei bereits 1685 ein Lustgarten in Lützschena bezeugt ist. Viele der mächtigen Stiel-Eichen sind ebenfalls bedeutend älter. Ein 255jähriges Exemplar fiel im Jahre 2011 einem Sturm zum Opfer, so dass nur noch deren Stumpf an den einstigen Riesen erinnert. 

Stumpf einer Stieleiche, Schlosspark Lützschena

Stumpf einer Stiel-Eiche, Schlosspark Lützschena

Typisch sind die vielen kleinen Wasserläufe und Tümpel. Entstanden sind diese teilweise deshalb, um ehemalige Lachen und Lehmgruben auszufüllen und in die Parkgestaltung einzubeziehen. Dadurch bieten sich immer wieder idyllische Orte unberührter Natur.

Stehender Abschnitt im Wasserlauf "Hundewasser" in Lützschena

Stehender Abschnitt im Wasserlauf „Hundewasser“ in Lützschena

Auwaldstation Lützschena-Stahmeln

Auwaldstation Lützschena

Auwaldstation Lützschena

Direkt angrenzend zum Schlosspark hat sich die Auwaldstation als kleine Informations- und Begegnungsstätte für Natur und Kultur etabliert. Fotos, Exponate und Lehrtafeln informieren über den Auenwald. Hier finden Lesungen, Ausstellungen und kleine Konzerte statt. Zudem organisiert die Einrichtung zahlreiche Wanderungen und Exkursionen in der näheren Umgebung, die sich mit Naturschutz, Artenvielfalt und besonderen Biotopen des Auenwaldes beschäftigen. Weitere Informationen dazu bietet die Webseite der Auwaldstation. Die Zeitschrift „Landlust“ widmet in ihrer Ausgabe Mai/Juni 2017 einen ausführlichen Artikel dem Leipziger Auenwald.

Abschließend noch ein Frühlingsgruß. Eines der größten Vorkommen Deutschlands der streng unter Naturschutz stehenden Märzenbecher befindet sich hier im Auenwald, beispielsweise im und am Schlosspark Lützschena.

Märzenbecher im Auwald Leipzig

Märzenbecher im Auenwald Leipzig

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