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Vinum regum, rex vinorum
Vinum regum, rex vinorum

Vinum regum, rex vinorum – der Tokajer!

„Wein der Könige, König der Weine!“ ist noch heute der Leitspruch für den Tokajer und für die gesamte Region Tokaj. 

Das Motto „vinum regum, rex vinorum“ kann man wohl kaum prägnanter formulieren. Noch immer ziert es die Etiketten einiger guter Tokajer-Flaschen. Das ist Anspruch, Tradition und Verpflichtung gleichermaßen. Der Ausspruch stammt übrigens vom berühmten französischen Sonnenkönig Louis XIV. aus dem Jahre 1703, nachdem ihm Fürst Ferenc Rákóczi II. einige Flaschen seines Tokajers geschenkt hatte.

Im Folgenden habe ich einige interessante Fakten und Zitate zum Tokajer und seiner Geschichte zusammengetragen. Wer sich mehr für die Varianten und Klassifikation der Tokajer Weine interessiert, sei auf meinen Artikel Tokajer – viel mehr als süß verwiesen.

Wer Ungarn kennt, kennt Tokajer; und wer Wein kennt, kennt Tokajer, möchte man meinen. Doch viele haben sicherlich noch gar keinen richtigen Tokajer probiert. Der geschädigte Ruf aus sozialistischen Zeiten eilt ihm wohl noch immer voraus oder etwas hinterher. Erzwungene Verstaatlichung und Massenproduktion unter kommunistischer Herrschaft haben teilweise zu miserablen und klebrigen Produkten geführt, die kaum noch die Bezeichnung Wein verdienten. Der Verruf stimmte aber selbst damals nicht überall. Sogar Hugh Johnson fand beispielsweise schon 1983 in seinem Weinführer einiges an Lob und würdigte den Tokajer, denn manche Winzer haben weiterhin einige Flaschen nach traditioneller Art hergestellt. Mit etwas Glück gelangt man noch heute an ein solches Tröpfchen.

Seit der politischen Wende 1989 befindet sich auch Tokaj in einem steten Wandel und erlebt eine sagenhafte Renaissance, zunächst in Fachkreisen und mittlerweile bei immer mehr Weinliebhabern in der ganzen Welt.

Die historischen Verdienste und neuen Bestrebungen wurden längst in höchstem Maße gewürdigt – mit dem Titel vom UNESCO Weltkulturerbe, welcher der gesamten Weinregion Tokaj-Hegyalja seit 15. Februar 2002 als historische Landschaft verliehen wurde.

Tokajer in der Geschichte

Rakoczi-Keller in Tokaj

Rakoczi-Keller in Tokaj

Schon seit vielen Jahrhunderten übte der goldene Tokajer eine ungeheure Faszination auf die Mächtigen und Schöngeisten der jeweiligen Epoche aus. Bereits an einem Sommerabend des Jahres 1560 fiel wohl durch Papst Pius IV. der Ausspruch: „Summum pontificem talia vina decent!“ – „Wein aus Tállya gehört auf den päpstlichen Tisch!“ Zu diesem Zeitpunkt war der Tokaj aszú, wie wir ihn heute kennen, noch gar nicht erfunden. Erst einige Jahrzehnte später ergab es wohl eher ein Zufall, dass die Familie Szepsi die Grundlagen des Aszú-Weines erfand. Häufig liest man dafür die Jahreszahlen 1630 oder auch 1650, wo ein türkischer Angriff die Weinlese verzögerte und somit mehr zufällig zum Botrytis-Befall der Trauben führte. Der danach von den Trauben des Weinberges Oremus durch Máté Szepsi Laczkó daraus gekelterte Wein konnte so begeistern, dass man künftig gezielt darauf hinarbeitete. Er war der Erste, der die Vinifizierung von Aszú beschrieben hat, wie sie noch heute praktiziert wird.

ein war aber bereits viel eher international bekannt und begehrt. Jahresangaben für den genauen Ursprung sind schwierig zu finden, man kann aber davon ausgehen, dass in der Region seit mehr als tausend Jahren Wein angebaut wird. Einige der großen unterirdischen Keller datieren auf das 12. Jahrhundert.

Dass im Wein Wahrheit steckt, wusste man schon seit der Antike, seit Alkaios von Lesbos. Später sagte man dem Tokajer nach, dass er sogar Gold enthielte. Daraufhin brach der Schweizer Arzt und Forscher Paracelsus auf und besuchte wohl im Jahre 1524 persönlich Tokaj. Gold fand er bei seiner Analyse des Weines darin selbstverständlich nicht. Heute erinnern die Paracelsus-Apotheke und eine Gedenktafel in Tokaj an ihn.

Ferenc II. Rákóczi, gemalt von Mányoki

Ferenc II. Rákóczi, gemalt von Mányoki, Quelle: Wikimedia

Weit vor der berühmten Bordeaux-Klassifizierung 1855 wurde in der Region die weltweit erste noch heute gültige Klassifizierung von Weinbergslagen in drei Qualitätsstufen durchgeführt. Erstmalig klassifizierte Fürst Ferenc II. Rákóczi die Lagen von Tokaj im Jahre 1700. Dann unterteilte man sie 1737 auf königlichen Erlass von Charles VI. (als Charles III. auch König von Ungarn) in erste, zweite, dritte und unklassifizierte Crus. Spätestens 1772 kann man von einer offiziellen königlichen Klassifikation sprechen, siehe http://www.tokaji.hu/eng/Diohejban.html.

Neben Louis XIV. war auch der russische Zar Peter I. der Große (1672-1725) ein großer Fan des Tokajers, wie er nach einem Treffen mit Prinz Rákoczi sagte: „Bisher bin ich von nichts und niemand besiegt worden, aber der Tokajer Wein am letzten Abend hat mich besiegt.“ Der sächsische Kurfürst August der Starke liebte den Tokajer ebenso wie Kaiserin Maria Theresia von Österreich und Königin von Ungarn. Kaiser Franz Joseph von Österreich schickte der englischen Queen Victoria regelmäßig Tokajer.

Admiral Lord Nelson (1758-1805) schrieb in einem Brief an Lady Emma Hamilton: „I have sent, last night, a box of Marischino Veritabile of Zara, which I got Jemmy Anderson to buy for me, and twelve bottles of Tokay. I have kept none for myself – being better pleased that you should have it.”

Tokajer in der Literatur und Musik

Voltaire, Quelle: Wikimedia

Voltaire, Quelle: Wikimedia

Der französische Schriftsteller und Philosoph Voltaire (1694-1778) war vom Tokajer fasziniert und schrieb darüber: „Er (der Wein) besitzt Stärke und Süße, die einem neue Lebenskraft verleihen. Er macht jede Zelle des Gehirns rege und entfacht ein blendendes Feuerwerk des sprühenden Geistes und des Frohsinns aus der Tiefe der Seele.“

Der deutsche Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) nimmt im Faust auf den Tokajer Bezug. In der Szene in Auerbachs Keller in Leipzig lässt er den Süßwein kredenzen:

Dr. Faust in Leipzig

Dr. Faust in Leipzig, Quelle: Wikimedia

„Siebel (indem sich Mephistopheles seinem Platze nähert) :

Ich muß gestehn, den sauern mag ich nicht,

Gebt mir ein Glas vom echten süßen!

Mephistopheles (bohrt):

Euch soll sogleich Tokayer fließen.

 

Für Alexandre Dumas (1802-1870) ist Tokajer wichtiger als ein Butler in Das Halsband der Königin:

„Hören Sie dann, Durchlaucht; Ihre Majestät, der König von Schweden –

Entschuldigen Sie bitte, der Graf Haga

Ich sollte gesagt haben – trinken Sie nichts außer Tokajer.” – „Ja, bin ich so arm, das ich keinen Tokajer in meinem Keller habe? Wenn das so ist, muss ich meinen Butler entlassen.”

 

Auch für die Geschichten das Grafen Dracula aus dem benachbarten Rumänien war der Tokajer gut. So schreibt etwa 1897 Abraham „Bram“ Stroker (1847-1912) in seinem Dracula: „Der Graf trat daraufhin selbst an den Tisch heran und hob den Deckel von einer Terrine, in der ein prächtiges gebratenes Huhn lag. Dieses bildete mit etwas Käse und Salat sowie einer Flasche altem Tokajer, von dem ich zwei Gläser trank, mein Abendbrot.”

 

Und Sir Arthur Canon Doyle (1859-1930) lässt Sherlock Holmes und Watson in His Last Bow (Seine Abschiedsvorstellung) über Tokajer sprechen: „Another glass, Watson!” said Mr. Sherlock Holmes as he extended the bottle of Imperial Tokay. … „It is a good wine, Holmes.” – „A remarkable wine, Watson. Our friend upon the sofa has assured me that it is from Franz Josef’s special cellar at the Schoenbrunn Palace.”

 

Als einziger Wein weltweit hat es der Tokajer sogar in eine Nationalhymne gebracht, wie einige Zeilen der ungarischen belegen.

… Für uns auf den Kunság-Feldern

Wiegt sich das reife Getreide,

Von den Tokajer Hängen

Lässt du Nektar tropfen.

Unsere Fahne hast du oft gepflanzt

Auf die wilden Türken-Schanzen,

Und die stolze Wiener Burg stöhnte

Unter Mátyás zornigen Truppen.

 

Basierend auf der Dichtung von Gabriele Baumberg komponierte Franz Schubert 1815 sein „Lob des Tokajers“ und besang ihn als königlichen Wein – zu hören und zu sehen unter https://www.youtube.com/watch?v=gbHhChg5zaY.

Wer noch etwas in Nostalgie schwelgen möchte, findet unter Historische Tokaj-Etiketten sehr schöne Erquickung.

Die Rolle von Hugh Johnson

Alter Tokajer

Alter Tokajer

Mal abgesehen von Robert Parker, der alles in Zahlen fassen möchte, gilt der Engländer Hugh Johnson als einer der angesehensten Weinkritiker weltweit. Er geht die Sache viel emotionaler an und stellt den Punkten auch ein ganz eigenes Wertungssystem entgegen – die Johnson-Skala, die er in früheren Ausgaben des Weinführers „Der kleine Johnson“ ((Amazon-Link)) gerne erwähnt hat und die jeder nach eigenem Empfinden im Prinzip nachvollziehen kann. Beginnend mit einmaligem Schnuppern, über leichtes Nippen und ein oder zwei Gläser für beifällige Zustimmung steigert sich das System etwa über zwei Flaschen für einen wirklich guten Wein oder eine Kiste, für einen Wein, den man sich nicht entgehen lassen will. Die Höchstwertung ist logischerweise der Kauf des ganzen Weinbergs. In Tokaj hat er nun selbst zugeschlagen und das nicht von ungefähr, sondern aus tiefster Überzeugung.

Wie er dem Tokajer begegnet ist, schildert Hugh Johnson sehr emotional im Vorwort zum Katalog der Tokaj Weinauktion 2015.

„Was zählte, befand sich unten in den altehrwürdigen Kellern von Tolcsva. Tausende Flaschen unterschiedlicher Schattierungen von Gold und Honig und dunklem Kastanienbraun standen halbbedeckt mit schneeartigem Schimmel. Ich verkostete mit dem ehrwürdigen Kellermeister bei Kerzenschein die Flaschen und Gläser, an einem Fass stehend. Bisher dachte ich, ich hätte bereits alle großen Weine der Welt verkostet – aber darauf war ich völlig unvorbereitet.

Es gab Flaschen, deren Alter reichte zwanzig, dreißig, vierzig Jahre zurück; zurück bis vor den Zweiten Weltkrieg, bis vor den Ersten, ja bis zu den Zeiten der Habsburger und Romanows. Ganz gleich welchen Alters sie waren und welch mysteriöse Geschichten sich um ihre Schöpfer und Weingüter rankten, alle hatten etwas gemein, was ich nie zuvor in einem Wein gesehen habe: eine klingende Aufforderung für den Gaumen wie ein Trompetenstoß. Selbst wenn er meistens weich und besänftigend ist, hat der Tokajer diesen hell klingenden Geschmack, diesen feurigen Anflug von Säure, der seine Süße in der Balance hält.“

Als logische Konsequenz seines eigenen Systems hat er in Tokaj einen Weinberg erworben und ist Mitbegründer und Teilhaber der Royal Tokaji Wine Company. Beim Durchstöbern seiner Weinführer merkt man, wie intensiv er sich mit der gesamten Region beschäftigt und dort mittlerweile viele Weingüter sehr loben kann. Für sein stetes Engagement hat man Hugh Johnson inzwischen schon zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt. Seine Statue steht in der Rákáczi ut 35 in Mád direkt vor seinem eigenen Weingut, der Royal Tokaji Wine Company.

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