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BorStore in Aktion
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Ungarischer Wein – bei BorStore kauft man ihn ein

Das Startup BorStore bringt ungarischen Wein nach Deutschland. Dazu gibt es Verkostungen, Veranstaltungen, Hintergrund-Infos und den eigenen Versandhandel.

Im Urlaub kennengelernter ungarischer Wein ist in Deutschland oft nur schwer erhältlich. Auch vor Ort in Ungarn klappt es nicht immer, falls der Winzer gerade nicht zugegen ist, der Supermarkt den Wein nicht führt und die Adresse vom Fachhandel nicht zur Hand ist. Zwar gibt es schon länger einzelne Möglichkeiten, auch gute ungarische Weine in Deutschland zu erwerben; meist bleibt das Angebot aber sehr beschränkt und die Preise liegen recht hoch. Zwei junge Ungarn machen sich nun daran, den deutschen Markt neu aufzumischen.

Das Konzept von BorStore

BorStore sollte man sich merken – das ist bei diesem genialen Namen auch ganz einfach. Inhaltlich transportiert er alles und ist international. Der englische Begriff „Store“ hat sich mittlerweile eingebürgert für Läden in Deutschland sowie vielen anderen Ländern. Und „Bor“ meint natürlich nicht das chemische Element, sondern ist die ungarische Bezeichnung für „Wein“. Der „BorStore“ ist also der internationale Laden für ungarischen Wein. Dabei gibt es „den Laden“ so noch gar nicht.
Eröffnet hat der BorStore zunächst zeitgemäß im Internet als Versandhandel. Parallel dazu präsentiert er sich auf Messen und richtet eigene Veranstaltungen aus, um den Leuten vor Ort in Deutschland im engen persönlichen Kontakt vielfältige Weine aus Ungarn vorzustellen. Beginnend von Berlin aus gab es inzwischen auch Verkostungen in Hamburg und München, die sehr gute Resonanz fanden. Für 2016 ist schon so einiges in Planung. Spannender ungarischer Wein von kleineren Winzern soll dabei stets im Mittelpunkt stehen.

 

Wie wir BorStore erleben konnten

BorStore-Verkostung in Berlin

BorStore-Verkostung in Berlin

Entdeckt habe ich den noch jungen BorStore über das Internet. Da ich einige der angebotenen Weine und auch deren Preise aus Ungarn kenne, hat mich das faire Angebot sofort überzeugt. Auch Weine, die noch gar nicht im Shop enthalten sind, lassen sich oft besorgen. So konnte ich anfangs ein paar Flaschen vom Tokajer Oremus 3 puttonyos quasi direkt von der Lieferung weg abkaufen. Und nun sind auch noch die bisher nur in Ungarn erhältlichen speziell entwickelten Furmint-Gläser von Riedel unterwegs. Also, testet den BorStore selbst!
Natürlich wollten wir die Leute vom BorStore auch persönlich kennenlernen, was zu deren Sommer-Verkostung in Berlin geklappt hat. Dort haben wir auch fröccs kennengelernt – als Abschluss der Verkostung. Achso, was ist Fröccs eigentlich? Naja, im weitesten Sinne Weinschorle. Wer es genauer wissen will, findet die verschiedenen Varianten bei BorStore erklärt. Unser Fröccs war ein Házmester mit unserem Favoriten der Verkostung, dem Apatsagi tramini von der Abtei Pannonhalma. Ein solcher Wein ist eigentlich viel zu schade für eine Weinschorle – der wird in Deutschland sonst sogar bei manufactum! gehandelt! Aber sehr lecker war’s.

BorStore-Verkostung und Liste

BorStore-Verkostung und Liste

Dankbar sind wir auch für informative Gespräche und interessante Hinweise zu Besuchen in der Weinregion Tokaj. Demnächst erzähle ich hier auf dem Blog mehr über unsere Entdeckungen dort, über Tállya, Tolscva, Mád, Sárospatak und den Fürsten Ferenc Rákóczi.
Übrigens lohnt es sich nicht nur wegen der Weinangebote, immer mal wieder auf der Webseite von BorStore vorbeizuschauen. Interessante Artikel informieren über Hintergründe, Entwicklungen und Weingüter in Ungarn, zum Beispiel kürzlich über Naturweine oder den Tokajer Szamorodni.

Hinweis: Das ist kein Sponsored post und es gibt hier im Artikel keine Affiliate-Links, sondern alles beruht auf eigener Erfahrung mit BorStore.

BorStore – das Interview

Wer steckt denn nun aber hinter BorStore? Wir haben nachgefragt. Denn über die Hintergründe und Pläne bei BorStore können am besten die beiden Betreiber Máté und Gábor selbst Auskunft geben. Máté Szedlaczko ist der mehr deutsche Teil von BorStore und agiert von Berlin aus. Gábor Csorba ist der stärker ungarische Teil beim BorStore, der weiterhin in Budapest arbeitet. Seinen Teil des Interviews habe ich auf Englisch geführt. (Wer das Interview lieber auf Deutsch lesen möchte, findet im Anschluss auch meine Übersetzung davon.) Vorab schon einmal herzlichen Dank an Máté und Gábor für das ausführliche und informative Interview. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg beim Ausbau des noch jungen BorStore.

Ein paar Fragen an Máté:

Peter: Du sprichst gut Deutsch, bist Du schon lange in Berlin?
Máté: Danke 🙂 Ich wohne seit mehr als 5 Jahren in Berlin, aber ich habe jung mit Deutsch angefangen: ich ging in eine österreichisch-ungarische Schule und habe dort auf Deutsch und Ungarisch gleichzeitig studiert. In meinem Alltag nutze ich Deutsch aber erst, seit ich in Berlin bin.

Du hast in Berlin studiert. Hatte das auch etwas mit Wein zu tun?
Nicht direkt. Ich habe auf einem „Masters in Economics and Management“ Lehrgang studiert, dieses Wissen kann man aber natürlich gut bei einem Startup nutzen. Und meine Masterarbeit habe ich schon mit Sicht auf BorStore geschrieben: es ging über die Geschichte des internationalen Weinhandels.

BorStore hat inzwischen auch einen Laden in Berlin-Kreuzberg. Kommt das gut an?
Einen echten Laden haben wir noch nicht, wir haben zurzeit einen Abholpunkt in einem Zeitungsladen in Kreuzberg. Das Feedback ist sehr positiv, viele Kunden bestellen ein paar Flaschen und holen sie den nächsten Tag auf dem Weg nach Hause ab.

Eure Webseite ist bisher nur auf Englisch. Gibt es Pläne für ein deutsches Angebot oder brauchen das die interessierten Kunden gar nicht mehr?
Wir haben mit Englisch angefangen, da das der „kleinste Nenner“ ist, die Sprache, die die meisten Kunden verstehen. Wir haben uns entschieden, dass wir die Webseite nur dann auf andere Sprachen übersetzen, wenn wir in allen Sprachen dieselbe inhaltliche Qualität halten können. In der Startup-Phase hatten wir bis jetzt dafür keine Kapazität, aber wir arbeiten an einem deutschen Angebot.

Was hat es eigentlich mit den Coupons im Shop auf sich?
Viele Webshops benutzen Coupons, um Kunden mit einmaligen Rabatten einzuziehen. Bei uns legen wir viel höheren Wert auf ständig gute Preise, dafür benutzen wir Coupons nur gelegentlich.

Welche nächsten Events stehen an. In München war BorStore ja schon. Kommt ihr auch noch in andere Städte?
Außer unseren regelmäßigen Verkostungen in Berlin haben waren wir schon in München und Hamburg, und in beide Städten sind unsere Events sehr gut angekommen. Zurzeit gibt es ein bisschen Winterruhe, aber in den ersten Monaten des Jahres planen wir viel Neues in Berlin und wahrscheinlich geht unser ‚Tour‘ auch weiter. Wir arbeiten mit einigen Partnern an neuen Konzepten und werden diese in den nächsten Monaten veröffentlichen!

Was ist Dein persönlicher Lieblingswein?
Das hängt immer von vielem ab, zu jeden Moment gibt es einen Weinstil, der am besten passt! Jetzt, da es kälter geworden ist, trinke ich mehr Rotwein, besonders die eleganten Blaufränkisch-Weine aus Nordungarn, wie z.B. von Etyeki Kúria oder Bott Frigyes. Und Tokajer Süßweine sind immer phänomenale Erlebnisse, zu denen kann ich nie nein sagen.

Verkostung in Berlin. (Quelle: BorStore)

Verkostung in Berlin. (Quelle: BorStore)

Welche ungarische Region sollte man noch im Auge behalten?
Das ist schwer zu beantworten, weil in fast jeder Region so viel Interessantes los ist. Die vulkanischen Weißweinregionen wie Badacsony (Nord-Balaton), Somló und natürlich Tokaj sind zurzeit die Stars, sie entwickeln sich schnell und positiv, und es gibt viele Weine aus diesen Regionen, die schon in der internationalen Topliga spielen. Dann gibt es noch Sopron und Eger, für viele Jahre vernachlässigt, wo jetzt aber neue kleine Erzeuger spannende Weine aus der Naturproduktion herstellen; oder Villány und Szekszárd, Regionen die früher eher schwere, „unfreundliche“ Weine hergestellt haben, jetzt aber viel mehr auf Eleganz setzen. Und viel mehr…also eigentlich alle!

Bei unserem Besuch in Berlin habt ihr erzählt, dass die ungarische Küche nicht mehr so schwer ist und auch die Weine jetzt moderner sind. Eigentlich wollen wir das gar nicht oder nur ergänzend. Zerfällt jetzt die ungarische Küche in moderne, vermeintlich gesündere und leichte Angebote oder bleiben uns die geliebten deftigen Klassiker auch im gehobenen Bereich erhalten?
Ich denke, das Wichtigste in der ungarischen Küche sind die Qualität der Zutaten und wie man diese Qualität am besten schmecken lässt. Dazu gehört, dass man sich von der Übernutzung von Mehl, Paniermehl und Fett verabschiedet hat und nicht nur die Menge zählt, es heißt aber nicht, dass Geschmack und Textur von guten regionalen Zutaten versteckt werden sollen, egal ob Paprika und Tomaten oder Speck und Wurst. Mangalica-Schwein, hausgemachte Wurst und Gänseschmalz sind sogar beliebter und öfter in Restaurants heute, als vor ein paar Jahren.

Bitte legt auch bei den Winzern Wert auf traditionelle Weine und autochthone Rebsorten. Da muss sich Ungarn nicht verstecken, sondern setzt seit Jahrhunderten in Tokaj die Maßstäbe für Süßwein. Bei welchen Rebsorten siehst Du sonst noch großes Potenzial?
In den letzten Jahren sind autochthone Rebsorten wieder im Fokus. Viele Winzer bemühen sich, Rebsorten aus der Region zu pflanzen. Wir sehen, dass sich auch Kunden mehr für interessante lokale Rebsorten interessieren als z.B. für noch einen Merlot. Außer Furmint und Hárslevelű finde ich andere mineralische weiße Rebsorten wie Olaszrizling und Juhfark sehr spannend, besonders aus vulkanischen Gebieten. Bei Rotwein ist natürlich kékfrankos (Blaufränkisch) die wichtigste autochthone Rebsorte, ich habe aber auch große Hoffnungen in Kadarka. Es ist eine sehr empfindliche Rebsorte, und es ist noch viel Arbeit, bis wir viele gute Kadarkas sehen werden. Die besten sind aber jetzt schon unglaublich elegante und trotzdem sehr lebendige und spannende Weine.

BorStore: Fröccs házmester

BorStore: Fröccs házmester

Some questions to Gábor:

Interview auf Deutsch

Peter: Gábor, are you still employed at Bortársaság or is BorStore completely your own project? Is BorStore a part-time work for you? If you still work at Bortársaság, can someone meet you still in a shop of Bortársaság in Budapest and where this would be?
Gábor: I still work for Bortársaság since 16 years now. I spent most of this time in different shops so I have a wide-spread personal contact with our customers. This summer my position has changed. I left the shop I’m in the management now and beside the owner and his assistant we coordinate the whole retail part of Bortársaság. I’m the responsible for the professional preparedness of our colleagues. Phisically I’m just above the Lánchíd shop that I was leading for 4 years. Sometimes I go downstairs and chat with my clients.
BorStore is our love child with Máté and both of us does it as a part-time work. When we finish our main work then we start BorStore. We often chat late in the evening and start working until midnight or 2-3 o’clock if it’s needed.

How often does you commute between Budapest and Berlin?
It depends our activities but I would say roughly 8 times in a year. I use to drive by my car to bring some wine with me.

Do you both have full access to purchase and logistics of Bortársaság? How do you manage to offer nearly hungarian prices also in Berlin? Surely you have good connections to the wine-growers in Hungary?
Both of us has full access to every little piece of BorStore’s operation but logically we have some specialized tasks between us due to our different location. I live in Hungary so I have the opportunity to meet winemakers to maintain our good connections and communicate with them. I can say that I have extraordinary connections with all of the winemakers who we represent. What I miss a bit is to meet our customers more often personally in the german side – this if for example more of Máté’s part who delivers wines and meets them.
As I work for Bortársaság it was very important for me to live Bortársaság and BorStore together in peace. We managed to establish strong cooperation between the two companies. BorStore is an independent german company who enjoys many benefits of Bortársaság stable status: flexible paying conditions, wine storage… It helps a lot to keep our prices friendly which was one of our main goal with Máté before launching our company.

What’s your favourite wine personally?
Actually it doesn’t exist. I taste over 2000 samples per year and I can find great pleasure in every well-balanced wine. I’m more a white wine lover. I love the structure of a nice Furmint or Riesling but it’s much better to keep yourself very opened and stay far from prejudices.

Which trend can be expected from hungarian wine in the near future?
I expect to see more high quality bottle fermented (méthode traditionelle) sparkling wines – There is a growing demand and I think this is the latest big deal for some wineries who can invest in this special technology.

Furmint already became a trendsetter for winelovers in America. Do the Americans prefer dry furmint or also the traditional classic sweet Tokaji Aszú? What’s your opinion about sparkling wine from Furmint?
I think every single person is an individual and everybody has his/her own taste. Of course the environment has its influence on you and the big buttery creamy chardonnays of California surely socialized many Americans to follow this style and the big dry Tokaji wines can be quite close to this. I do not really believe in oxidated classic style of Tokaji Aszú but more in the “new” (it’s 20 years old story now) one. I convinced so many foreign dry wine drinkers to try and taste these sweet Tokaji wines and my satisfaction rate is close to 100% . I think both dry and sweet can go well next to each other they are not competitors but very different wine styles what you drink in very different life situations. People just simply love balanced wines and they instinctively feel if they got something extraordinary.
Furmint as base of sparkling wine? The grape variety is only one component of a nice sparkling wine and we still learn how to do it from Furmint but let’s see the pure facts: the structure is there, the fine acids and the complexity too. We have Furmint plantations on high-profile vineyards. So why not? If you see Kreinbacher’s first products my answer is a big yes.

Do you embrace the new tightened classification for Tokaj aszú or are you sceptical?
To reduce Tokaj wine styles is more than welcome for me. It makes the whole communication much easier. We saw how the market reacted to the various Tokaji sweet wines – too much of questions and a lot of confused people. I surely will miss the lower numbered of Puttonyos Tokaji aszú but hopefully some good options will remain for us like late harvest wines or sweet szamorodni.

Technologically Sauska Tokaj is absolutely state-of-the-art. Do they vinify also traditional Tokaji Aszú with oxidative style there or do they turn more to the range of dry wines?
Sauska Tokaj has Tokaji aszú in the portfolio still from the previous history of the estate (it was run under a different name with János Árvay and with different staff) but their main focus is the dry Tokaji wines. A Tokaji Aszú needs long time for ageing in the barrel and in the bottle too before appearing in the market and Sauska Tokaj is still a fresh participant in the region. No oxidated Aszú style for Sauska Tokaj.

Hungary has really great autochthonous grape varieties. Hopefully there isn’t made the mistake to change to mainstream grapes like chardonnay. How does is looks like at present?
Surely not. Local grapes are getting more and more in the focus of the winemakers and I’m very happy for. I think autochthonous varieties are one of the key tools in making unique wines in Hungary.

BorStore: Bestellung

BorStore: Bestellung

Certainly you all have still a vineyard as insider’s tip?
Yes, I have. Just keep on following BorStore’s website, we won’t hide any future genious! 🙂

Die Fragen an Gábor in der deutschen Übersetzung

Interview auf Englisch

Peter: Gábor, bist Du auch weiterhin bei Bortársaság angestellt oder ist jetzt BorStore völlig das eigene Projekt? Ist BorStore eine Teilzeitarbeit für Dich? Kann man Dich auch weiterhin im Shop in Budapest antreffen, falls Du noch Bortársaság arbeitest und wo wäre das?
Gábor: Ich arbeite bereits seit 16 Jahren bei Bortársaság und bin weiter dort. Die meiste Zeit verbringe ich in verschiedenen Geschäften und habe umfangreiche persönliche Kontakte mit unseren Kunden. Im letzten Sommer hat sich meine Position verändert. Jetzt bin ich im Management und koordiniere zusammen mit den Eigentümer und seinem Assistenten den gesamten Vertrieb bei Bortársaság. Ich bin für die fachliche Kompetenz unserer Kollegen verantwortlich. Praktisch arbeite ich direkt über dem Shop an der Kettenbrücke, den ich zuvor 4 Jahre geleitet habe. Manchmal gehe ich runter und unterhalte mich mit meinen Kunden.
BorStore ist gemeinsam mit Máté unser Lieblingskind und wir beide machen das als Nebentätigkeit. Wenn unsere eigentliche Arbeit fertig ist, beginnen wir mit BorStore. Häufig chatten wir spät am Abend und arbeiten bis Mitternacht oder wenn nötig auch bis 2 oder 3 Uhr.

Wie oft pendelst Du zwischen Budapest und Berlin?
Das hängt von unseren Aktionen ab, aber so ungefähr achtmal im Jahr bin ich unterwegs. Dabei nehme ich mein Auto und bringe gleich Wein mit.

Habt ihr beide vollen Zugriff auf Einkauf und Logistik von Bortársaság? Wie schafft ihr es, auch in Berlin praktisch ungarische Preise anzubieten? Gewiss hast Du gute Beziehungen zu den Winzern in Ungarn?
Beide haben wir vollen Zugriff auf alles bei BorStore, aber durch unsere unterschiedlichen Wohnorte haben wir jeder unsere speziellen Aufgaben. Ich lebe in Ungarn und habe daher die Möglichkeit, die Winzer zu treffen, um mit ihnen zu reden und unseren guten Beziehungen aufrechtzuerhalten. Ich kann sagen, dass ich außerordentlich gute Beziehungen zu allen Winzern habe, die wir vertreten und anbieten. Ich vermisse jedoch etwas, unsere Kunden öfter persönlich auf der deutschen Seite zu treffen – das ist zum Beispiel mehr der Teil von Máté, der die Weine liefert und die Leute trifft.
Da ich für Bortársaság arbeite, ist es mir sehr wichtig, dass Bortársaság und BorStore friedlich nebeneinander bestehen. Wir haben eine enge Kooperation zwischen den beiden Unternehmen aufgebaut. BorStore ist ein unabhängiges deutsches Unternehmen, was durch den angesehenen Status von Bortársaság viele Vorteile genießt: flexible Zahlungsbedingungen, Weinlager… Das hilft viel dabei, unsere Preise kundenfreundlich zu halten. Das war eines unsere Hauptziele, bevor ich mit Máté unser Unternehmen gegründet habe.

Was ist Dein persönlicher Lieblingswein?
Den gibt es nicht wirklich. Ich verkoste pro Jahr über 2000 Weine und erfreue mich sehr an jedem gut ausbalancierten Wein. Ich bevorzuge mehr Weißwein und liebe die Struktur eines schönen Furmints oder Rieslings. Es ist aber immer gut, selbst offen zu bleiben für Neues und keine Vorurteile zu hegen.

Welchen Trend können wir in nächster Zukunft beim ungarischen Wein erwarten?
Ich erwarte zunehmen mehr hochwertige Schaumweine aus Flaschengärung (méthode traditionelle) – es gibt eine wachsende Nachfrage dafür und ich denke, das ist das nächste große Geschäft für einige Weingüter, die in die spezielle Technik dafür investieren können.

Furmint ist bei Weinliebhabern in Amerika bereits zum Trendsetter geworden. Bevorzugen die Amerikaner eher trockenen Furmint oder auch die traditionellen klassischen Süßweine Tokaji Aszú? Was hältst Du selber vom Furmint-Sekt?
Ich denke, jeder ist individuell und jeder hat seinen/ihren eigenen Geschmack. Natürlich hat die Umgebung einen Einfluss und die großen buttrig-cremigen Chardonnays haben sicherlich viele Amerikaner an diesen Stil gewöhnt und die großen trockenen Tokajer können dem recht nahe kommen. Ich glaube nicht wirklich an den oxidativen klassischen Stil des Tokaji Aszú, sondern mehr an die „Neuen“ (wobei die Geschichte nun schon 20 Jahre alt ist). Ich habe soviele ausländische Weintrinker trockener Weine überzeugen können, diese süßen Tokajer zu probieren und zu verkosten. Dabei war die Begeisterungsrate nahezu 100% . Ich denke, trockene und süße Weine können sehr gut nebeneinander bestehen, da sie keine Konkurrenten sondern völlig verschiedene Weinstile sind, die man zu ganz unterschiedlichen Momenten trinkt. Die Leute lieben einfach ausbalancierte Weine und merken instinktiv, wenn sie es mit etwas Außergewöhnlichem zu tun haben.
Furmint als Grundlage von Sekt? Die Rebsorte ist nur eine Komponente für einen guten Schaumwein und wir lernen erst noch, wie dies mit Furmint gelingt. Betrachten wir einfach mal die reinen Fakten: die Struktur ist da, die feinen Säuren und die Komplexität ebenfalls. Wir haben Furmint-Anpflanzungen bei hochangesehenen Weingütern. Also warum nicht? Wenn man die ersten Produkte von Kreinbacher sieht, ist meine Antwort ein klares Ja.

Begrüßt Du die neue gestraffte Klassifikation für Tokaj aszú oder bist Du eher skeptisch?
Die Verringerung der Weinstile beim Tokajer ist mir mehr als willkommen. Das erleichtert die gesamte Kommunikation erheblich. Wir haben gesehen, wie der Markt auf die verschiedenen Süßweine aus Tokaj reagiert hat – zu viele Fragen und viele verunsicherte Leute. Bestimmt werde ich die bei den Puttonyos niedriger nummerierten Tokaji aszú vermissen, aber uns werden hoffentlich einige gute Optionen verbleiben wie die Spätleseweine oder die süßen Szamorodni.

BorStore hat geliefert

BorStore hat geliefert

Technologisch ist Sauska Tokaj absolut modern. Werden dort auch traditionelle Tokajer Aszú-Weine vom oxidativen Stil vinifiziert oder wendet man sich dort stärker den trockenen Weinen zu?
Sauska Tokaj hat auch Tokajer Aszú noch von der früheren Geschichte des Weingutes im Programm (es wurde unter anderem Namen mit János Árvay und anderem Personal geführt), aber ihr Hauptaugenmerk liegt auf den trockenen Weinen aus Tokaj. Ein Tokajer Aszú brauchte lange für die Reifung im Fass sowie auch in der Flasche, bevor er auf den Markt kommt. Sauska Tokaj ist noch ein junges Weingut in der Region. Bisher gibt es bei Sauska Tokaj keinen Aszú im oxidativen Stil.

Ungarn verfügt über großartige autochthone Rebsorten. Hoffentlich wird nicht der Fehler begangen, auf Mainstream-Rebsorten wie Chardonnay umzustellen. Wie sieht es derzeit aus?
Gewiss nicht. Die lokalen Rebsorten gelangen immer stärker in den Fokus der Winzer, worüber ich sehr froh bin. Ich denke, die autochthonen Rebsorten sind mit ein Schlüssel dafür, um einzigartige Weine in Ungarn zu keltern.

Sicherlich habt ihr auch noch ein Weingut als Insider-Tipp parat?
Ja, das haben wir. Folgt einfach aufmerksam der Webseite von BorStore. Wir werden künftige Genies nicht verstecken! 🙂

 

Herzlichen Dank für das Interview.

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