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Budapest, Donaublick zur Margaretenbrücke
Budapest, Donaublick zur Margaretenbrücke

Ungarn – kleines Land mit reichem Weltkulturerbe (ein Überblick)

Als relativ kleines Land glänzt Ungarn mit acht anerkannten Stätten des Weltkulturerbes, die unterschiedlicher wohl kaum sein könnten – von der Weltstadt bis zur Puszta.

Dieser Überblick soll kurz über die acht derzeit anerkannten Stätten des UNESCO Weltkulturerbes in Ungarn informieren, ein paar weiterführende Links anbieten und darauf neugierig machen, selbst das jeweils Besondere daran zu entdecken. Nach und nach werde ich hier ausführlicher von eigenen Erfahrungen berichten und Tipps zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten geben.

UNESCO Weltkulturerbe: anerkannte Stätten

Budapest, 1987

Budapest, Donaupanorama mit Kettenbrücke

Budapest, Donaupanorama mit Kettenbrücke

Beim Thema Weltkulturerbe in Ungarn wandern die Gedanken wohl automatisch nach Budapest. Die Metropole mit ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten gilt nicht nur als „Paris des Ostens“ und als eine der schönsten Städte überhaupt, sondern war auch die erste Stätte Ungarns, die bereits seit 1987 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört.
Die ursprüngliche Eintragung umfasst dabei als Kerngebiet ein Areal von 415,1 ha auf beiden Seiten des Donauufers, beginnend von der Margaretenbrücke im Norden, über die berühmte 1849 fertiggestellte Kettenbrücke und die Elisabethbrücke bis hin zur Freiheitsbrücke. Dazu zählen weiterhin der gesamte Burgberg mit dem Burgpalast, der Fischerbastei und der Matthiaskirche, ferner der Gellértberg und die darauf befindliche Zitadelle. Auf der Pester Stadtseite liegen zudem noch das riesige Parlamentsgebäude und der Gresham Palace im Kerngebiet.
Nochmal Budapest: Im Jahr 2002 wurde das geschützte Gebiet des Weltkulturerbes in Budapest nochmals um 58,2 ha erweitert. Der etwa 2,4 km lange Prachtboulevard Andrássy út sorgt seit 1872 für eine neuartige und großzügige urbane Struktur von Pest. Zum Weltkulturerbe erklärt ist die gesamte Andrássy út vom Erzsébet tér über Oktogon und Kodaly körund bis zum Hösök tér (Heldenplatz). Dazu gehören außerdem noch die Oper und die von 1889-1896 gebaute erste Metrolinie in Europa, die sich direkt unter der Andrássy út befindet.
Beide geschützten Bereiche in Budapest gelten gemeinsam als einheitliche Stätte im Weltkulturerbe. Die zwischen den anerkannten Erbestätten liegenden Teile der Pester Altstadt genießen als Pufferzone ebenfalls einen Schutzstatus. Ausführliche Informationen zu dieser Welterbestätte und ihrem herausragenden Wert gibt die Webseite der UNESCO auf Englisch.

Hollókő, 1987

Dorfzentrum von Hollókö

Dorfzentrum von Hollókő

Das Altdorf von Hollókő und seine natürliche Umgebung im nördlichen Ungarn sind ein herausragendes Beispiel einer erhaltenen traditionellen Siedlung, die vorwiegend im 18. und 19. Jahrhundert entstanden ist. Zugleich reflektiert es die kulturellen Traditionen des Volksstammes der Palotzen. Das 145 ha große Schutzgebiet des Weltkulturerbes umfasst 55 Gebäude des lebendigen und weiterhin bewohnten Museumsdorfes entlang der Dorfstraße sowie die Kirche. Weiterhin geschützt sind die landwirtschaftlichen Flächen der näheren Umgebung sowie die bereits 1310 erstmalig erwähnte Burg Rabenstein (Hollókő), die Namensgeber des Ortes ist. Weitere Informationen auf Englisch gibt die zugehörige Webseite der UNESCO.

Aggteleker Karst, 1995

Minerva sisakja

Baradla-Höhle im Aggteleker Karst, Quelle: Wikimedia

Die Höhlen des Aggteleker Karsts und des Slowakischen Karsts an der nördlichen Grenze Ungarns gehören seit 1995 zum Weltnaturerbe und sind eine gemeinsame Welterbestätte von Ungarn und der Slowakei. Das Gebiet umfasst insgesamt 56651 ha Kernschutzzone sowie weitere 86797 ha Pufferzone und somit rund 1400 Quadratkilometer bewahrte Landschaft. Mittlerweile sind im Karstgebiet über 1000 Höhlen bekannt. Die 7 Teilabschnitte sind der Nationalpark Aggtelek, der Berg bei Szendrő-Rudabánya und der Esztramos-Berg in Ungarn sowie das Plešivec-Plateau, Silica und Jasov, das Koniar-Plateau mit der Aragonit-Höhle sowie die Dobšinská-Eishöhle in der Slowakei. Die Details zur Eintragung als Weltnaturerbe liefert die entsprechende englische Webseite der UNESCO.

Benediktinerabtei Pannonhalma, 1996

Bencés főapátsági templom (4640. számú műemlék) 29

Abtei Pannonhalma, Quelle: Wikimedia

Genau zu ihrem tausendjährigen Jubiläum im Jahre 1996 erhielt die Benediktinerabtei Pannonhalma im nordwestlichen Ungarn einschließlich ihrer direkten Umgebung mit einer Fläche von 47 ha die Eintragung als Weltkulturerbe. Die schon sehr früh gegründete Abtei spielte eine wichtige Rolle bei der Verbreitung des Christentums in Zentraleuropa. Sie ist bis heute ununterbrochen als Benediktiner-Kloster unter dem bekannten Motto „ora et labora“ genutzt. Zum Klosterkomplex gehören neben der Erzabtei auch die Basilika, mehrere Kapellen sowie Schulgebäude mit Internat. Das Millennium-Monument erinnert an den tausendsten Jahrestag der Landnahme durch die Magyaren im Jahre 896. Der Kräutergarten und die Parks im umgebenden Arboretum komplettieren die Anlage. Sehr bedeutsam ist auch die Benediktiner-Bibliothek, die mit rund 360000 Bänden zu den größten der Welt gehört. Zudem verfügt die Abtei über ein eigenes Weingut. Die offizielle Eintragung der UNESCO steht auf Englisch auf deren Webseite.

Nationalpark Hortobágy Puszta, 1999

Traditioneller Ziehbrunnen in der Hortobágy Puszta

Traditioneller Ziehbrunnen in der Hortobágy Puszta

Die Steppenlandschaft der Puszta gilt gerne als Idealbild für Ungarn. Die größte und sicher typischste Puszta-Landschaft ist der Nationalpark Hortobágy-Puszta in der großen Tiefebene im Osten des Landes. Seit 1999 gehören insgesamt 74820 ha zum Kerngebiet des Weltkulturebes. Außerdem erstreckt sich der Schutz noch auf fast 200000 ha Pufferzone. Die Landschaftsstruktur mit großen Weideflächen, Lößrücken, Wiesen und Feuchtgebieten bot schon seit prähistorischer Zeit ideale Bedingungen für Naturweidewirtschaft (Pastoralismus). Die ungarische Puszta ist herausragendes, erhaltenes und intaktes Beispiel einer derartigen Kulturlandschaft und verdeutlicht die harmonische Wechselbeziehung zwischen Mensch und Natur. Mehr Informationen zur Anerkennung als Weltnaturerbe gibt die Webseite der UNESCO auf Englisch.


Pécs, 2000

Frühchristliche Grabkammer in Pécs

Frühchristliche Grabkammer in Pécs

Der westliche Teil Ungarns war schon zu Zeiten des römischen Reichs besiedelt und bildete die Provinz Pannonien. Der Vorläufer der heutigen Stadt Pécs hieß zu römischer Zeit Sopianae. Bei Ausgrabungen im Stadtzentrum entdeckte man einzigartige frühchristliche Grabstätten aus dem 4. Jahrhundert aus der Spätphase des römischen Reiches. Die künstlerischen Darstellungen sind außergewöhnlich gut erhalten und gehören zu den ältesten christlicher Themen überhaupt. Die Schutzzone des Weltkulturerbes umfasst knapp 4 ha rund um die Basilika von Pécs und den Szent István tér. Sie befindet sich im Bereich vieler anderer historischer Bauwerke des Stadtzentrums. Pécs war übrigens 2010 auch europäische Kulturhauptstadt. Weitere Details zum Status als Weltkulturerbe stehen auf der Webseite der UNESCO. Weitere Informationen zu Pécs und Sopianae gibt auch eine Webseite der Stadt Pécs.

Fertő / Neusiedler See, 2001

Fertoe-Hansag-Nationalpark 24

Im Nationalpark Fertő-Hanság, Quelle: Wikimedia

Die historische Kulturlandschaft im Westen Ungarns bildet seit 2001 gemeinsam mit Österreich eine Region des Weltkulturerbes und umfasst 68369 ha Schutzzone. Das Gebiet rund um den westlichsten Steppensee Europas ist zudem durch den Nationalpark Neusiedler See in Österreich sowie den Nationalpark Fertő-Hanság in Ungarn geschützt. Die landschaftliche Vielfalt angefangen von Bergen und Hügeln über zeitweilige austrocknende Seen und Salzböden bis hin zu Schilf und Feuchtgebieten ist ein wertvolles Biosphärenreservat und Heimat für eine reiche Flora und Fauna. Das Gebiet ist seit rund 8000 Jahren besiedelt und durch eine ländliche Struktur für Viehhaltung und Weinanbau geprägt. Dabei reihen sich in einem inneren Ring 16 Siedlungen rund um den See. Neben Zeugnissen aus prähistorischer und römischer Zeit ist besonders die Dorfarchitektur bemerkenswert. Hinzu kommen Schlösser des Landadels aus dem 18. und 19. Jahrhundert wie das Schloss Eszterhazy in Fertőd und das Széchenyi-Schloss in Nagycenk. Weitere Details zum Schutzstatus gibt es auf Englisch auf der Webseite der UNESCO.

Tokaj Weinregion, 2002

Das Wahrzeichen von Tokaj - der Kegelberg

Das Wahrzeichen von Tokaj – der Kegelberg

Die am Fuße des Zemplén-Gebirges entlang des Flüsschens Bodrog bis zu dessen Zusammenfluss mit der Theiß liegende Kulturlandschaft der historischen Weinregion Tokaj gehört seit 2002 zum Weltkulturerbe. Das 13245 Hektar große Gebiet der Kernzone umfasst die Ortschaften Tokaj, Tarcal, Bodrogkeresztúr, Mád und Tállya sowie den markanten Hausberg von Tokaj. Zusammen mit der Pufferzone sind insgesamt 88124 ha entlang der Bodrog bis hin zur slowakischen Grenze geschützt. Von besonderen Wert sind in der Pufferzone vor allem die historischen und traditionellen Kelleranlagen: der Ungvári-Weinkeller in Sátoraljaújhely an der Grenze zur Slowakei, der Rákóczi-Weinkeller in Sárospatak, die Kelleranlagen Koporosi sowie Gomboshegyi in Hercegkút, die Keller des Weinmuseums in Tolcsva sowie die Weinkeller des berühmten Weingutes Oremus in Tolcsva.
Jahrhunderte vor dem Sauternes in Frankreich wurden hier bereits edelsüße Weine aus Trauben mit Botrytis-Befall gekeltert. Erste Klassifikationen der Weinlagen nahm bereits 1700 Fürst Ferenc II. Rákóczi vor und spätestens ab 1772 gilt die offizielle königliche Klassifikation, die somit zu den ersten weltweit gehört und ebenfalls viel früher als in Frankreich festgelegt wurde.
Die einzigartige Kombination topographischer und klimatischer Bedingungen mit Vulkanhängen und feuchten Gebieten schafft ein besonderes Mikroklima. Die charakteristische Struktur der Region mit ihren kleinen Ortschaften, kleinen Weingütern und einem Netzwerk historischer Weinkeller ist bis heute authentisch erhalten. Die kulturelle, ethnische und religiöse Vielfalt der Bewohner haben ebenso zum reichen kulturellen Erbe der Region beigetragen wie die berühmten edelsüßen Weine Tokaji Aszú. Weitere Details zur Eintragung gibt die Webseite der UNESCO auf Englisch.

Die Kriterien der UNESCO in Kurzfassung

Für die Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes muss eine betreffende Stätte von herausragender Bedeutung sein und mindestens eines der folgenden 10 Kriterien erfüllen (Quelle: UNESCO auf Englisch):

  1. Sie ist ein Meisterwerk menschlich kreativen Genies
  2. Sie demonstriert einen wichtigen Wandel menschlicher Werte hinsichtlich Entwicklungen bei Architektur, Technologie, Kunst, Stadtplanung und Landschaftsgestaltung
  3. Sie ist einzigartiges Zeugnis einer kulturellen Tradition oder Zivilisation
  4. Sie ist herausragendes Beispiel eines Gebäudes oder Ensembles oder einer Landschaft zur Verdeutlichung wichtiger geschichtlicher Epochen
  5. Sie ist herausragendes Beispiel menschlicher Siedlung, Land- oder Meeresnutzung durch eine Kultur oder der menschlichen Wechselwirkung mit der Umwelt
  6. Sie ist direkt oder greifbar verbunden mit lebendigen Traditionen, Ideen, Glauben oder künstlerischen Werken von herausragender universeller Bedeutung
  7. Es handelt sich um ganz besondere Naturphänomene oder außergewöhnliche Naturschönheiten
  8. Sie ist herausragendes Beispiel für wichtige Epochen der Erdgeschichte
  9. Sie ist herausragendes Beispiel laufender ökologischer und biologischer Evolutionsprozesse und der Entwicklung von Ökosystemen
  10. Es handelt sich um wichtigste und bedeutendste natürliche Lebensräume für die Bewahrung der Biodiversität und den Artenschutz

Neben dem Zutreffen eines oder mehrerer Kriterien muss zudem auch die Integrität und Authentizität in besonderem Maße gewährleistet sein und zukünftig bewahrt werden.

 

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