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Sanddünen bei Fülöphaza

Sanddünen bei Fülöpháza – eine kleine Wüste im Nationalpark Kiskunság

Puszta, Steppe, Wüste – bei Fülöpháza sind die Übergänge fließend – ein spezielles und empfindliches Ökosystem in der Kiskunság.

Mit weniger als 1000 Einwohnern ist Fülöpháza eine typisches kleines Agrardorf, wo außer Post und Bushaltestelle nicht viel zu finden ist. Das Besondere des Ortes ist die heute weitgehend unberührte Landschaft drumherum. Das war nicht immer so, und das ist auch die Erklärung für diese kleine Wüste inmitten Ungarns.

Spaziergang zu den Sanddünen

Wer gerne wandert, startet etwa in der Ortsmitte von Fülöpháza zu Fuß auf der Kossuth út in südwestlicher Richtung. Der gleiche Weg ist aber auch per Auto noch befahrbar. Vorbei an einzelnen Gehöften und kleineren Seen wird die Landschaft immer interessanter und der Weg immer sandiger. Man halte sich stets an die Hinweisschilder zur Somodi Tanya, auch wenn diese nicht mehr geöffnet ist. In einem Espenhain begegnet man vielleicht mal ein paar Reitern, ansonsten ist man meist mit der Natur allein. Ein zwangloser Lehrpfad erstreckt sich durch das Gelände und erklärt ausführlich die Besonderheiten von Fülöpháza. Die Tafeln sind jeweils auf Ungarisch und Englisch, so dass auch der ausländische Tourist etwas verstehen kann. Angesichts botanischer Details ist das aber selbst im Englischen nicht so einfach.

Lehrpfad bei Fülöpháza

Reiter bei Fülöpháza

Espenhain bei Fülöpháza

Nach etwa 3,5 Kilometern gelangt man an eine kleine Wegekreuzung mit dem Abzweig zu den Sanddünen. Spätestens hier ist für das Auto Schluss. Den restlichen Weg gehen alle fürbass zu Fuß.

Nach links weist das typisch ovale Schild auf ein erhöhtes Naturschutzgebiet hin. Ab hier gehen wir besonders aufmerksam, freuen uns an den kleinen Dingen und einer eigenwilligen Landschaft, die einen immer tiefer ergreift, wenn man sich dafür öffnet. Ein Werden und Vergehen, eine Vielfalt der Strukturen und Formen, nichts Spektakuläres, eher etwas Mystisches.

Der Sand wird war immer stärker bestimmend, aber die Sanddünen sind nicht mehr gänzlich unbewachsen – biologisch eher ein gutes Zeichen, dass die Regeneration des Graslandes doch noch funktionieren könnte. Das spektakuläre Ende bleibt aus, der Weg ist hier das Ziel und die Details das Besondere.

Sanddünen bei Fülöpháza

Sanddünen bei Fülöpháza

Sanddüne bei Fülöphaza

Ökosystem der Sanddünen von Fülöpháza

Auffälligste Pflanze ist wohl das Federgras (Stipa borysthenica), das mit seinen hellen und im Wind schwingenden Enden eine malerisch, impressionistische Leichtigkeit vermittelt. Im Kontrast dazu findet man immer öfter die in die Landschaft eingedrungene Seidenpflanze mit ihrem kräftigen Wuchs, die wir bereits in Bogiszló kennengelernt hatten.

Federgras und Seidenpflanzen bei Fülöpháza

Federgras und Seidenpflanzen bei Fülöpháza

Weiterhin findet man den Zottellein und das gelbe Nadelröschen. Die typischen Tiere wie den Wiedehopf, Dünen-Sandlaufkäfer oder die Balkan-Mauereidechse konnten wir zwar nicht erspähen, aber ein hellblauer Schmetterling ist mir ins Bild geflattert.

Akazienblüte

Abgestorbene Bäume bei Fülöpháza

Abgestorbene Bäume bei Fülöpháza

Bitte respektiert die Kernzone des Nationalparks

Zurück an der Wegekreuzung verbietet ein Schild auf der anderen Seite das weitere Betreten des Geländes: UNESCO Bioszféra rezervátum mag területe – Biosphärenreservat Kernzone. Bitte respektiert das. Bereits das Betreten könnte das empfindliche Ökosystem stören. Warum ist das so wichtig? Auf sandigen Böden bewirken Störungen, dass invasive Pflanzen auf gestressten Flächen leichter wurzeln. Sie dringen in Bereiche ein, wo heimische Pflanzen irgendwie geschädigt sind. Motorräder, Reiter und Wanderer öffnen die sandigen Oberflächen und drücken leicht die Samen von der Oberfläche ein, was deren unerwünschte Keimung fördert. Ein Beispiel invasiver Pflanzen ist die Seidenpflanze. Verlasst auch im zugänglichen Bereich möglichst nicht die Wege und steigt nicht direkt in den Sanddünen herum.

Wie sind die Sanddünen bei Fülöpháza entstanden?

Das Sandplateau zwischen Donau und Theiß besteht aus Sedimenten der alten Donau, die sich seit der Eiszeit im pannonischen Becken abgelagert haben. Winde haben Senken erzeugt und Hügel aufgetürmt, deren Richtung sich an der vorherrschenden Windrichtung orientiert. Zusätzlich zeigt die heute sichtbare Landschaft die Sandverschiebungen, die im Mittelalter infolge der Abholzung begannen.


Die Nutzung des Grases als Weide trug bereits seit der ungarischen Landnahme zur Transformation der Landschaft bei. Zum Ende der türkischen Besetzung war die Region zwischen Donau und Theiß infolge der verbreiteten Viehwirtschaft eine abgeholzte „Wüste“ geworden. Im 18. Jahrhundert trug die übermäßige Beweidung durch Graurinder und Schafe zur Bildung von Flugsand bei und somit zur öden Landschaft mit wenig Vegetation. Heute wurde die Beweidung in den Sanddünen beendet.

Ein weiteres Problem ist der drastisch abgesunkene Grundwasserspiegel, der oft 6-9 Meter tiefer liegt. Dieser Prozess begann Ende der 70er Jahre und wurde Mitte der 80er Jahre sichtbar. Daher sind die Feuchtwiesen des Sandplateaus ausgetrocknet, die Vegetation der Dünenmulden hat sich gewandelt, die ehemals reichlich vorhandenen Wasserbrunnen sind ausgetrocknet und Obsthaine verdorrt. Große Dürreperioden, die Ausnutzung des Grundwassers, extensive Kanalsysteme und geänderte Nutzung des Weidelandes haben gemeinsam zum Absinken des Grundwasserstandes beigetragen, wodurch oft Bauernhöfe und Menschen verschwanden.

Im Nationalpark Kiskunság wird man nun beobachten, inwieweit sich die Natur regenerieren kann.

Somodi Tanya Fülöpháza

Weiderinder in Fülöpháza

Fülöpháza: praktische Informationen

Koordinaten:

46,87462°N / 19,39834°O

Anreise (Parken)

Fülöpháza ist ein kleines Dorf rund 20 km westlich von Kecskemét bzw. 14 km von der Autobahn M5 entfernt. Über die Fernstraße 52 Richtung Dunaföldvár ist der Ort gut zu erreichen. Die Sanddünen (Homokbuckák) sind trotz der Nähe zur Fernstraße besser von der Ortsmitte Fülöpháza aus erreichbar. Per Auto ist die Anfahrt noch in südwestlicher Richtung etwa 3,5 km Richtung Somodi Tanya möglich. Der letzte Kilometer ist zu Fuß.

Restaurant-Tipp

Fülöpháza eignet sich gut als Etappe für eine Autotour (neudeutsch: Roadtrip) sowie für Leute, die völlige Ruhe auf dem Land suchen. Die nach dem Ort ausgeschilderte Somodi Tanya, ehemals Reiterhof und Gasthof, ist leider geschlossen. Für gutes Essen und auch eine Übernachtung bietet sich die Csalánosi Csárda an der Fernstraße 52 Richtung Kecskemét an. Sie ist zugleich Motel und rund um die Uhr geöffnet – zumindest für Übernachtungsgäste*.

Quartiere / Tipps zum Übernachten

Die schmucke Komitatshauptstadt Kecskemét mit zahlreichen Hotels ist rund 20 km entfernt. Ganz in der Nähe gibt es den Gasthof Ádám Tanya Fogadó in Balázspuszta mit deutschsprachigen Gastgebern, Ausritten, Kutschfahrten, Reitunterricht und gutem Essen – das Doppelzimmer 13.800 Ft (ca. 45 €). Einige km nördlich in Kunbaracs empfiehlt sich der nächste Reiterhof, die Hunor Lovastanya* (ab 40€). Mehr Komfort bietet das Varga Tanya Hotel* in Kerekegyháza ab etwa 60 € pro Doppelzimmer.

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Ein Kommentar

  1. Danke für die Inspiration! Toller Blog, sehr schöne Fotos. Machte einen virtuellen Spaziergang mit euch.

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