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Thermalbecken 40 Grad im Gellért-Bad Budapest

Gellértbad Budapest – Entspannen im historischen Art-déco-Ambiente

Das Gellértbad (Gellért Gyógyfürdö) ist eine Top-Sehenswürdigkeit in Budapest und eines der berühmtesten Thermalbäder – mein Erfahrungsbericht.

Budapest gilt als Stadt der Thermalquellen und Heilbäder und vielleicht als größter Kurort. Wohl in jedem Reiseführer ist das Gellértbad als eine Top-Sehenswürdigkeit der Stadt verzeichnet. Mittlerweile gilt das Gellértbad zwar als überteuert, aber trotz des hohen Eintrittspreises ist es absolut sehenswert. Zeitiges Kommen ist dafür jedoch hilfreich – ein Erfahrungsbericht.

Kathedrale des Badens im Stile des Art déco

Gellért-Bad, Foyer, hinterer Teil

Gellértbad, Foyer, hinterer Teil

Allein schon Lage und Umgebung sind spektakulär. Am Fuße des Gellért-Berges direkt am westlichen Ufer der Freiheitsbrücke gelegen befindet sich das Gellértbad im historischen Art-Déco-Komplex des Grandhotels Gellért. Das Bad ist aber schon länger wirtschaftlich eigenständig und steht jedem offen, nicht nur den Hotelgästen. Der Eingang befindet sich an der westlichen Seite des Komplexes ein paar Schritte aufwärts in der Kelenhegyi út.

Tipp: Selbst wer aus Zeit- oder Kostengründen auf einen ausgiebigen Badbesuch verzichtet, sollte sich hier dennoch ein paar Minuten Zeit nehmen für die prächtige Eingangshalle mit ihren Mosaiken, Buntglasfenstern und Skulpturen – ein architektonisches Highlight des Sezessionsstils.

Dach vom Foyer des Gellertbades

Dach vom Foyer des Gellértbades

Künstlerische Glasfenster im Foyer des Gellertbades

Künstlerische Glasfenster im Foyer des Gellértbades

Farbspiel im Foyer vom Gellért-BadBeeindruckend ist die insgesamt 74 Meter lange und 11 Meter breite Lobby mit ihrem harmonischen Dekor und dem gewölbten Glasdach. Neben Art-déco-Elementen zeigen die seitlichen Buntglasfenster oben auch Szenen vom Tod Buddhas von János Arany. Wer nachmittags bei sonnigem Wetter kommt, kann auch das Farbenspiel der Fenster auf den Marmorsäulen gegenüber bewundern. An der Stirnseite der Halle wartet die Skulptur Venus und Amor von Adolf Huszár und ist beliebtes Fotomotiv für Touristen. Seitlich sind noch einige weitere Statuen zu entdecken.

Statue "Venus & Amor" im Gellért-Bad

Statue „Venus & Amor“ im Gellértbad

Skulptur im Foyer des Gellertbades

Skulptur im Foyer des Gellértbades

Schwimmbecken in der Säulenhalle

Schwimmbecken zwischen Säulen im Gellertbad

Schwimmbecken zwischen Säulen im Gellértbad

Wer schon mal Bilder vom Gellértbad gesehen hat, kennt vermutlich das Schwimmbecken inmitten der Säulenhalle. Oh, welche Überraschung, die rund 26 Grad hier sind zwar nicht gerade kalt, aber auch nicht das, was man in einem Thermalbad erwarten würde. Hier wäre also eher aktives Schwimmen angesagt. Allerdings ist das Becken meistens zu stark besucht und dann für sportliche Betätigung etwas eng. Ein Bademeister überwacht das Geschehen.

Gellertbad, Schwimmbad

Gellértbad, Schwimmbecken

Gellért-Bad, Wasserspeier seitlich am Schwimmbecken

Empore und Dach am Schwimmbecken im Gellért-Bad

Empore und Dach über dem Schwimmbecken im Gellértbad

Sehenswert sind vor allem die Anlage des Schwimmbeckens mit den umgebenden Säulengängen sowie der Aufstieg in die obere Etage zu den Emporen mit den Palmen sowie der Blick von oben über das Schwimmbad. 

Insgesamt gibt es 12 Becken unterschiedlichster Größe und Temperatur. Man kann auch 13 sagen, wenn man einen großen Holzzuber Im Freien dazuzählt. Im Obergeschoss bietet das Restaurant & Café Erfrischung und Blicke auf die Außenbecken.

Das "Entenmädchen" im Gellért

Das „Entenmädchen“ im Gellért

An der Stirnseite des Schwimmbeckens vor dem halbrunden Thermalbad ist noch eine Brunnenkonstruktion sehenswert, worauf sich das lächelnde „Entenmädchen“ (Kacsás lány) befindet – eine Skulptur von Miklós Ligeti, die ursprünglich aus dem Jahre 1894 stammt und 1918 in das Bad mit einbezogen wurde.

Magische heiße Thermalbecken

Absolutes Highlight sind für uns die wirklich heißen Thermalbecken, die vom Haupt-Schwimmbecken aus beiderseitig hinten zu erreichen sind. Früher waren diese Thermalbereiche streng nach Männern und Frauen getrennt, was man noch an den Hinweisen in den Kacheln wie „Thermalfürdö Férfiak“ für die Herren über den seitlichen Ausgängen erkennen kann. Bei unserem ersten Besuch im Gellért vor einigen Jahren mussten auch wir noch getrennt die Thermalbereiche besuchen und uns erst später wieder am Schwimmbecken treffen. Erst seit 2013 sind alle Bereiche für alle Geschlechter gleichermaßen zugänglich. Auch touristisch natürlich ein sehenswerter Vorteil.

Art déco im Thermalbad des Gellertbades

Art déco im Thermalbereich des Gellértbades

Bodenmosaik im Thermalbereich im Gellért-Bad

Bodenmosaik im Thermalbereich im Gellértbad

Gellért-Bad, Thermalbereich

Kachelbank am Thermalbecken im Gellért-Bad

Kachelbank am Thermalbecken im Gellértbad

Duschen am Thermalbecken

Duschen am Thermalbecken

Vorbei geht es an Kabinen und Behandlungsräumen, bis man zu den eigentlichen Thermalbereichen gelangt. Ein Anblick wie aus Tausend-und-eine-Nacht. Blau und Türkis dominieren die Gestaltung, übrigens alles ungarische Zsolnay-Kacheln aus Pécs. Jene im ehemaligen Männerbereich sind original erhalten, die Kacheln des im Zweiten Weltkriegs zerstörten Frauenbereichs sind heute wieder originalgetreu rekonstruiert. Ornamentale Dekore machen dem Begriff Art déco alle Ehre und erinnern durchaus auch an die ehemalige türkische Badekultur in Budapest.

Wie warm darf es denn sein – 36°, 38° oder gar 40°?

Thermalbecken 36 Grad im Gellért-Bad BudapestZur Erinnerung: Wir befinden uns nicht in irgendeinem künstlich beheizten Spaßbad. Das Wasser hier ist ein natürliches heißes Quellwasser mit speziellem eigenen Mineralgehalt und heilender Wirkung, das man schon seit vielen Jahrhunderten an diesem Orte kennt.

Thermalbecken 40 Grad im Gellért-Bad Budapest

Figuren am Thermalbecken im Gellértbad

Säulenskulptur im Thermalbereich des Gellertbades BudapestDie heißen Quellen sind zwar noch nicht gerade eine Mutprobe, aber kosten schon etwas Überwindung. Amüsiert schauten wir zu, wie eine junge Russin vor dem 40 Grad warmen Thermalwasser zunächst zurückschreckte. Ja, man kann da rein. Schwimmen ist dort aber nahezu unmöglich. Und man sollte auch den seitlich angebrachten Hinweis ernst nehmen, nicht länger als 5 Minuten in diesem Becken zu verweilen. Die Wärme ist wahrlich eine Herausforderung für den Kreislauf.

Wer es hart angehen mag, findet neben den Duschen auch ein Kaltwasserbecken mit Treppe mit etwa 18 Grad. Weiter als bis zum Knie bin ich nicht gekommen. Zudem gibt es dort auch wieder heiße Dampfbäder.

Massagen und Behandlung im Gellért

Massagekabinen im Gellertbad

Massagekabinen im Gellértbad

Wir waren als Touristen im Gellért, nicht als Patienten oder Wellness-Freaks. Aber der Weg zu den Thermalbädern führt bereits an einigen der Behandlungskabinen vorbei. Das sieht alles sehr sympathisch und gepflegt aus – Luxus-Massage, Aromatherapie, schwedische Massage oder auch Massage-Anwendungen für Paare in separaten Räumen; Unterwasser-Massage, Schlammbad, Kohlensäure-Bad. Das Angebot ist vielfältig und beliebt. Falls wir später mal einer Behandlung bedürfen und uns dann das Gellért noch leisten können, wäre das gewiss eine der bevorzugten Adressen. Mehr zu den Behandlungsangeboten und Leistungen im Schönheitssalon geben die hauseigenen Webseiten http://www.gellertbad.hu/leistungen sowie http://gellertspabeautysalon.hu/.

Gellértbad oben ohne

Nun zum Kontrastprogramm – oben ohne, also ohne Dach. Während der Außenbereich des Gellért bei gutem Wetter meist reichlich besucht ist, konnten wir das Gelände fast ganz alleine erkunden. Naja, früh kurz vor 8 Uhr an einem trüben Tag mit 13 Grad und kräftigem Wind sind eben nur wenige Leute im Freibad unterwegs. Gut durchgewärmt aus dem Thermalbecken kommend waren die ersten Minuten recht entspannt und erfrischend, was wir wohl sonst bei dem Wetter nie getan hätten. Im Außenbereich gibt es das Hauptschwimmbecken mit 500 m² Fläche, welches zu seiner Fertigstellung 1927 zugleich eines der ersten Wellenbäder mit künstlich erzeugtem Wellengang überhaupt war. Die umgebenden Sonnenterrassen sind bei schönem Wetter meistens gut besucht.

Morgendliche Ruhe außen im Gellertbad

Morgendliche Ruhe außen im Gellértbad

Wellenbecken außen im Gellertbad

Wellenbecken außen

Als es uns allmählich doch zu kühl wurde, stiegen wir in das äußere Thermalbecken einige Schritte höher gelegen. Wir hätten uns aber auch in einen großen Zuber setzen können. Hier sind es wieder 36 Grad. Und hier könnte man eigentlich das Frühstück vergessen oder vielleicht noch besser hierhin serviert bekommen. Dafür hätte es aber wohl mindestens des fünften Sterns bedurft. Aber früh und bei kaltem Wetter ist man fast alleine, was wiederum einen Extra-Stern verdient.

Thermal-Zuber im Gellertbad

Sauna & Thermalbecken außen im Gellertbad

Sauna & Thermalbecken außen im Gellértbad

Gellért-Bad oder Szechenyi-Bad?

Eine an sich unmögliche Frage, die man mit UND beantworten muss. Die Zeit gebietet jedoch meistens, dass maximal ein Thermalbad in Budapest ins Programm passt. Ich würde da knapp das Gellértbad präferieren, aber die Entscheidung fällt schwer. Wer sich für die einzigartige künstlerische Gestaltung interessiert, findet im Gellértbad eine der wichtigsten Stätten der Epoche des Art déco und sollte dieses besuchen. Wer vor allem auf Badevergnügen aus ist, hat im Szechenyi fürdö einfach die größere Einrichtung und noch mehr Möglichkeiten.

Heiße Quellen und Geschichte am Hause Gellért

Der wuchtige Komplex des Gellért befindet sich auf der Budaer Seite der Donau direkt an der Freiheitsbrücke (Szabadság híd) und prägt das Donaupanorama am südlichen Ende des als UNESCO-Weltkulturerbe geschützten Bereiches. Ein wahrlich mondänes und sehr sehenswertes Haus, außen wie innen. Dabei steht das Gellért noch gar nicht so lange.

Gellértberg mit altem Bad Sáros fürdö

Gellértberg mit altem Bad Sáros fürdö vor dem Bau der grünen Szabadság híd. Quelle Wikimedia Creative Commons: FOTO:FORTEPAN / Budapest Főváros Levéltára

Im Rahmen der Bauarbeiten für die damalige Ferenc József híd (heutige Freiheitsbrücke), die im Oktober 1896 wohl vom österreichischen Kaiser Franz Josef persönlich eingeweiht wurde, musste auch das ehemalige, seit 1832 bestehende berühmt-berüchtigte Sárosfürdö (Schlamm-Bad) vor dem Brückenbau weichen. Hier ist es noch auf einer Ansicht von 1894 mit einem Blick zum Gellértberg und noch ohne Brücke zu sehen.

Die heißen Quellen an diesem Ort sind jedoch weitaus länger bekannt, so dass erste Zeugnisse eines Badehauses bis zum 13. Jahrhundert und zu König András II. zurückdatieren (Hinweis: Auch wenn die Webseite des Bades selbst das 15. Jahrhundert nennt, weist hingegen die ungarische Wikipedia auf König András II. im 13. Jh. hin). Im Zeitalter des ottomanischen Reiches hieß es Aga-Bad, später wurde es zum Szüzek-fürdője, dem Jungfrauen-Bad, bevor es im 19. Jahrhundert aufgrund seines mineralischen Schlammes mit Heilwirkung zum Namen Sárosfürdö (Schlammbad) kam.

1894 wurde das alte Bad für den Brückenbau abgerissen. Nach einer Ausschreibung für einen neuen Badekomplex 1905 wurden letztlich im Jahre 1909 Pläne von Ármin Hegedűs, Artúr Sebestyén und Izidor Sterk kombiniert und beauftragt. Behindert durch den Ersten Weltkrieg zogen sich die Bauarbeiten des Gellért-Hotels und Gellért-Bades bis 1918 hin. Der mittlerweile hundertjährige Komplex ist ein bedeutendes architektonisches Zeitzeugnis der auf den Jugendstil folgenden Epoche des Art Nouveau.

Praktisches / Badeordnung für das Gellértbad

Die frühere strikte Trennung zwischen Männern und Frauen gibt es im Gellért nicht mehr. An eine gewisse Badeordnung muss man sich dennoch halten. Etwas skurril ist die Badekappenpflicht für das Hauptschwimmbecken. Da viele keine Badekappe mehr besitzen und auch nicht unbedingt eine am Stand im Bad erwerben wollen, gibt es als preiswerte Alternative die Foliemütze, eher eine etwas peinliche Duschhaube. Nunja, andere haben das Ding ja auch auf. Ansonsten sollte man eine übliche Badebekleidung tragen und ist auf der sicheren Seite. Nacktbaden oder Vollverschleierung sind im Gellértbad nicht zulässig.

Wer nicht an Badesachen gedacht hat, kann dennoch das Gellért besuchen. Gegen Gebühr gibt es nicht nur Handtücher und Badekappen sondern auch Badebekleidung auszuleihen. Wer sich nicht an den Spinden umziehen möchte, kann auch eine etwas teurere Eintrittskarte mit eigener Kabine wählen.

Eintritt: Das Gellért war schon immer teuer. Die Preise sind in den letzten Jahren aber nochmals deutlich angestiegen. Tageskarten kosten inzwischen gut 18 Euro. Wer sich die Wartezeit am Schalter sparen möchte, kann die Tickets auch vorab über GetYourGuide* erwerben. Zudem wird nun eine Übernachtung im Hotel Gellért wieder interessanter, denn da ist ein einmaliger Besuch im Bade inklusive.

Öffnungszeiten: täglich 6-20 Uhr

Webseite: Gellértbad: http://www.gellertbad.hu/ sowie Direkt buchbares Ganztagesticket ohne Anstehen via GetYourGuide.

Anfahrt: Wer nicht im Hotel Gellért wohnt, fährt am besten mit der Metro M4 oder den Tram-Linien 19 oder 41 zum Szent Gellért tér. Parkplätze sind nur schwer zu finden. Notfalls hilft der kostenpflichtige Hotelparkplatz am Hang auf der südlichen Seite des Komplexes.

Adresse

Kelenhegyi út 4, H-1118 Budapest
Tel.: +36 1 466-6166

Koordinaten: 47.484°, 19.0522°

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