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Piroschka-Bahnhof in Székkutas
Piroschka-Bahnhof in Székkutas

Székkutas – bei Piroschka zu Besuch in Hódmezővásárhely-Kutasipuszta

Piroschka stammt aus dem schier unaussprechlichen ungarischen Dorf Hódmezővásárhelykutasipuszta. Heute heißt es einfacher Székkutas.

Wer denkt noch oft an Piroschka? Jüngere Leute mögen die Frage vielleicht kaum verstehen, ältere werden vermutlich sentimental. Unvergessen bleibt das Zitat: „Kérem Andi! Mach Signal!“ Schauen wir doch mal wieder an den Ort des Geschehens der Romanvorlage „Ich denke oft an Piroschka“, 1955 verfilmt mit Liselotte Pulver – hier übrigens als DVD/BlueRay erhältlich. Wie sieht es wohl heute aus bei Piroschka in Hódmezővásárhelykutasipuszta?

Das kleine Dorf im Komitat Csongrád im Südostens Ungarns hat zwar seinen komplizierten Namen verloren, nicht aber seinen Charme der Abgelegenheit in der Puszta. Film und Dorf sind noch heute oft prägend für das romantische Bild von der ungarischen Puszta. Im heutigen Székkutas leben etwas mehr als 2000 Leute. Oft scheint die Zeit dort noch immer stehengeblieben zu sein. Man könnte meinen, gleich springe Piroschka aus dem Bahnhäuschen hervor.

Ach ja, die Aussprache. Wer die ungarischen Ausspracheregeln kennt, bekommt das eigentlich ganz gut hin in Ruhe. Zum Nachhören gibt es hier aber mal ein Beispiel, wie es richtig klingen sollte. Und im Film ruft es der Bahnhofsvorsteher ja auch sehr deutlich. Aber was bedeutet das eigentlich? Wörtlich übersetzt sprechen wir bei Hódmezővásárhelykutasipuszta vom Biberfeld-Marktplatz und der Puszta mit Brunnen.

Bahnhof Hódmezővásárhelykutasipuszta

Piroska Rácz war die Tochter des Bahnstationsvorstehers aus Hódmezővásárhelykutasipuszta im 1954 erschienenen Roman „Ich denkt oft an Piroschka“ von Hugo Hartung. Der im sächsischen Vogtland geborene deutsche Dichter erzählt die Geschichte des Austauschstudenten Andreas, der 1923 in das Puszta-Dorf kommt und sich in Piroska verliebt. Diese Bahnstation und einen Bahnwärter gibt es noch heute in Hódmezővásárhely-Kutasipuszta – jetzt hat der Ort den verkürzten Namen Székkutas. Der Bahnwärter verrichtet seinen Dienst noch immer fast wie damals. Als wir am Übergang schauten und er uns bemerkte, sagte er „négy perc“ – „vier Minuten“. Er war gerade dabei, per Handkurbel und Seilzug die etwa 150 Meter entfernte Schranke an der Dorfstraße für den herannahenden Zug zu schließen (Mach Signal!). Pünktlich traf dieser dann ein – doch nirgends eine Spur von Piroschka.

Bahnhof von Székkutas

Bahnhof von Székkutas

Manuelle Schranke in Székkutas

Manuelle Schranke in Székkutas

Zug in Székkutas

Zug in Székkutas

Ankunft in Székkutas

Ankunft in Székkutas

Windmühle Székkutas (Hódmezővásárhelykutasipuszta)

Ist Piroska vielleicht gerade an der Windmühle? Die „Szélmalom“ befindet sich knapp einen Kilometer nordöstlich vom Bahnhof direkt neben der Bahnlinie und ist per Fuß über den Feldweg oder mit kleinem Umweg über die große Straße in Richtung Orosháza zu erreichen. Mit ihrem etwas brüchig gewordenen Gemäuer und dem interessanten Dach aus Holzschindeln ist sie allerdings flügellahm, wohl nicht mehr funktionsfähig und auch nur von außen zu besichtigen – lediglich ein Relikt vergangener Zeit und Kultobjekt für die Fans des Romans. Hier lernte „Andi“ richtiges ungarisches Gulyás kennen und hier bekam er den ersten Kuss von seiner „Piri“. Doch Piroschka war auch hier nicht anzutreffen.

Zur Piroschka-Windmühle in Székkutas

Zur Piroschka-Windmühle in Székkutas

Windmühle Székkutas

Windmühle Székkutas

Szélmalom (Piroschka-Windmühle) in Székkutas

Szélmalom (Piroschka-Windmühle) in Székkutas

Piroschka-Museum in Székkutas – das Székkutasi Emlékház

Seit 2004 gibt es im Ort ein kleines Dorfmuseum, das neben volkskundlichen Exponaten zum Heimatdorf unter anderem auch an den Autor Hugo Hartung sowie seine unvergessene Piroschka erinnert. Es befindet sich in der József Attila utca 12, hat allerdings nur donnerstags und freitags von 8-16 Uhr sowie samstags von 8-12 Uhr geöffnet. Wie waren leider am falschen Tag dort, sodass ich den Blick hinein hier nur irgendwann später nachreichen kann. Der Eintrittspreis beträgt übrigens lediglich mehr symbolische 200 Forint für Erwachsene (rund 0,60 Euro) und 100 Forint für Schüler und Rentner.

Piroschka-Museum Székkutas

Piroschka-Museum Székkutas

Dorfkirchen von Székkutas

In Székkutas gibt es zwei kleinere Dorfkirchen, die der interessierte Gast außerhalb der Gottesdienste zumindest von außen besichtigen kann. In der Erkel Ferenc utca findet sich die 1925 erbaute reformierte Kirche im neoromanischen Stil, in der Mester utca die ebenfalls von 1924-1925 erbaute katholische Szent-Mihály-Kirche im eklektischen Stil nach den Plänen von Károly Kruzslitz mit gotischen Elementen. So gesehen gab es zur Zeit von Piroschka noch nicht einmal diese Kirchen am Ort der Romanhandlung.

reformierte Kirche Székkutas

Reformierte Kirche in Székkutas

katholische Szent-Mihály-Kirche

katholische Szent-Mihály-Kirche Székkutas

Romantisches Székkutas

Idyllische Bauernhäuser und alte Scheunen, grasende Rinder sowie freilaufende Hühner und Perlhühner zeugen noch heute vom besonders naturnahen Leben in der Puszta von Székkutas. Enten, Strohballen, Rosensträucher – das mitunter verklärte, aber auch eher karge ungarische Dorfleben gibt es hier noch – man könnte fast meinen, völlig unberührt von der sonstigen Zivilisation. Aber die Bahnstrecke und sogar den Schnellzug ab Orosháza in die weite Welt hinaus gab es ja bereits vor mehr als 90 Jahren.

Bauernhaus in Székkutas

Bauernhaus in Székkutas

Hühner und Perlhühner in Székkutas

Hühner und Perlhühner in Székkutas

Enten in Székkutas

Enten in Székkutas

Strohballen in Székkutas

Strohballen in Székkutas

„Ich denke oft an Piroschka“ – der Film

Diese heitere und berührende Liebesgeschichte in den Weiten der ungarischen Puszta mit etwas Sehnsucht und Melancholie ist zum Filmklassiker geworden. Er lebt von der Lebensfreude der Ungarn bei Musik und Tanz, von der Herzlichkeit und überschwenglichen Gastfreundschaft, vom Sprachwitz und den kleinen Missverständnissen sowie der unvergessenen Liselotte Pulver. Wer schon mal in Ungarn war, wird sich in den Begebenheiten wohl schnell wiederfinden. Ein paar Worte Ungarisch kann man außerdem lernen oder auffrischen.

Der Film von Regisseur Kurt Hoffmann reiht sich ein in einige Klassiker der deutschen Filmgeschichte unter seiner Regie wie „Quax, der Bruchpilot“ (1941) oder „Das fliegende Klassenzimmer“ (1954) und ebenso die beliebte Räubergeschichte „Das Wirtshaus im Spessart“ (1958), wo Liselotte Pulver wieder brillieren durfte.

© Filmszene aus „Ich denke oft an Piroschka“ (Deutschland, 1955)

Drehorte von „Piroschka“

Auch wenn der Roman von Hugo Hartung tatsächlich in Székkutas spielt, konnte der Film damals 1955 aus politischen Gründen nicht am eigentlichen Schauplatz gedreht werden. Zwischen dem verlorenen WM-Finale beim Wunder von Bern 1954 mit der ungarischen Legende Ferenc Puskás und der Niederschlagung des ungarischen Volksaufstandes durch die Sowjets 1956 war es nicht die Zeit für internationale Filmaufnahmen. Die damalige sozialistische Regierung hat es verboten. Jugoslawien war offener, so dass die Szenen für Piroschka weniger als 100 km vom Originalschauplatz entfernt im heutigen Serbien gedreht wurden, wodurch der ähnliche Charakter gut gewahrt werden konnte. „Als Bahnstation des fiktiven Pusztadorfes fungierte die damalige Haltestelle Gornji Breg an der Nebenbahn Subotica-Senta der Jugoslawischen Staatsbahn (JZ)“, heißt es dazu auf der Webseite http://www.eisenbahn-im-film.de/info/piroska.htm. Meine Fans und Freunde auf Facebook nannten auch das Nachbardorf Oromhegyes / Tresnjevac in Serbien als Drehort. Besten Dank dafür. Weitere Drehorte dort sind zudem auch Palić, Subotica, Senta und Horgoš. Die Landschaft ist der ungarischen Puszta sehr ähnlich und im ehemals zu Ungarn gehörenden Gebiet Serbiens lebt auch sprachlich noch eine ungarische Minderheit. Dennoch ist so manches mehr im Film den Trickkünsten der Bavaria-Filmstudios in Geiselgasteig zu verdanken.

Mehr zum Film möchte ich eigentlich nicht verraten. Schaut selber und lasst euch entführen in die ungarische Puszta von damals.

“Als ich am Morgen nach Hause fuhr, war ich fest entschlossen, Piroska im nächsten Jahr wiederzusehen. Aber wie so oft im Leben kam es anders. Wir sind uns nie mehr begegnet. Vielleicht sollte es auch so sein. Denn wenn ich heute an Piroska denke, ist sie immer jung und süß und 17 Jahre. Und immer höre ich ihr lieblich tönendes „Kérem Andi! Mach Signal!“

Praktisches für Székkutas

Das heutige Székkutas liegt an der Fernstraße 47 von Szeged nach Békéscsaba und unweit vom Vogelreservat Kardoskút im Körös-Maros-Nationalpark. Der Ort hat nur wenige kleine Gästehäuser und eignet sich mehr für einen Roadtrip in der Puszta. Größere Orte in der Nähe sind Orosháza 13 km entfernt sowie Hódmezővásárhely 20 km entfernt. Auch von Szeged aus ist das authentische Puszta-Dorf gut zu erreichen. Die Webseite des Ortes Székkutas bietet ausführliche Informationen auch auf Deutsch an.

Anreise

Wer es richtig stilvoll machen möchte, reist natürlich mit dem Zug an, etwa von Orosháza oder Hódmezővásárhely aus, auch wenn das heute kleinere und modernere Triebwagen sind. Bequemer geht es allerdings per Auto. Wer in der Nähe von Szeged unterwegs ist und/oder Piroschka liebt, sollte mal einen Abstecher nach Székkutas machen.

Öffnungszeiten

Bahnhof und Windmühle sind immer erreichbar. Das kleine Piroschka-Museum in der József Attila utca 12 hat nur donnerstags und freitags von 8-16 Uhr sowie samstags von 8-12 Uhr geöffnet.

Quartier

Das Piroska Vendégház (Affiliate-Link via Booking) ist ein romantisches Gästehaus direkt im Ort im Landhaus-Stil inklusive Frühstücksbuffett.

Umgebung

Unmittelbar in der Nähe befindet sich das Vogelreservat von Kardoskút im Körös-Maros-Nationalpark mit dem weißen See (Fehér tó). Eine herrliche Gegend für Naturfreunde. Die nächstgrößeren Orte sind Orosháza und Hódmezővásárhely. Székkutas ist übrigens in ganz Ungarn bekannt für seine Herbarium-Filiale, welche die auf den salzigen Abschnitten des Kardoskúter Reservats wachsende Kamille verarbeitet.

Koordinaten

46,50383°N / 20,54118°O

Ein Kommentar

  1. Der Film „Ich denke oft an Piroschka“ war in meiner Kindheit mein Lieblingsfilm und die Bilder vom kleinen Bahnhof u. der Puszta sind mir bis heute in Erinnerung. lg aus Wien

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