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Beleg der E-Vignette
Beleg der ungarischen e-Matrica (E-Vignette)

Maut in Ungarn – alles automatisch

Alles, was Sie wissen müssen, um mit der Maut gut durch Ungarn zu fahren.

Mit der elektronischen Vignette e-Matrica hat Ungarn das derzeit vielleicht modernste Mautsystem. Während in Deutschland über die Einführung einer Maut gestritten wird, ist dies in vielen anderen Ländern schon lange etablierte Praxis. Wer durch Frankreich fährt oder die Brennerautobahn nutzt, kennt gewiss die Mautstationen, an denen sich mitunter Warteschlangen bilden und manchmal das passende Kleingeld nicht zur Hand ist. Das kostet den Autofahrer Zeit und ist mit hohem Aufwand für die Mauterhebung verbunden. Etwas bequemer sind schon die in vielen Ländern üblichen Maut-Vignetten, die dann gemeinsam die Windschutzscheibe zieren.

In Ungarn merken Sie praktisch nichts von der Maut. Ähnlich zum System der Video-Maut in Österreich für die zusätzlichen Sondermautstrecken (https://de.wikipedia.org/wiki/Videomaut) werden auf ungarischen Autobahnen die Kennzeichen der Fahrzeuge an Kontrollstellen für die Maut per Kamera erfasst und gescannt. Dann erfolgt elektronisch ein Abgleich im System, ob für dieses Fahrzeug die Maut bezahlt worden ist.

Mautpflicht

Befahren Sie niemals ohne vorher bezahlte Maut eine mautpflichtige Strecke! Grundsätzlich gilt die Maut in Ungarn auf allen Autobahnen, die jeweils an den M-Nummern zu erkennen sind. Davon ausgenommen sind der Budapester Ring M0 sowie die Stadtumfahrungen von Györ und Tatabánya auf der M1. Wer also in Budapest unbeabsichtigt auf die Autobahn gerät, ist damit noch nicht auf einer gebührenpflichtigen Strecke. Generell werden mautpflichtige Autobahnen rechtzeitig zuvor mit einem Verkehrsschild Matrica/Vignette oder einem entsprechenden Hinweis auf den Autobahn-Wegweisern angekündigt. Beachten Sie diese Beschilderung und verlassen gegebenenfalls die Strecke, sofern Sie noch keine Maut bezahlt haben.

Ausführliche Informationen rund um die ungarische Maut finden Sie auf der deutschsprachigen Webseite der „Nationale Mauterhebung geschlossene Dienstleistungs-AG“ als zuständige Stelle unter http://www.maut-tarife.hu/Gebuhren/.

Für LKWs gilt das elektronische Mauteinzugssystem HU-GO. Weitere Informationen dazu bietet die Webseite https://hu-go.hu/ nach dem Klick auf das Sprachsymbol DE auch in deutscher Sprache. Zusätzlich gibt es ein PDF-Infoblatt der Deutschen Botschaft Budapest.

Maut: Arten der Vignette (e-Matrica)

In Ungarn unterscheidet man zwischen Jahres-Vignetten, Komitats-Vignetten und Kurzzeit-Vignetten für 10 Tage oder einen Monat. Für Touristen sind fast nur die Kurzzeit-Vignetten von Interesse sind.

Jahres-Vignetten gelten immer pro Kalenderjahr, wobei die Gültigkeit anderes als in Österreich stets am 1.1. eines Jahres um 0 Uhr beginnt und am 31.1. des darauf folgenden Jahres um 24 Uhr endet.

Komitats-Vignetten gelten ganzjährig für einen Verwaltungsbezirk (Komitat) in Ungarn und sind preiswerter.

Kurzzeit-Vignetten gelten in ganz Ungarn für den zuvor festgelegten Zeitraum.

Maut: Erwerb vor Ort

Die E-Vignette (e-Matrica) können Sie an Grenzübergängen, den meisten Tankstellen sowie beim ungarischen Automobilclub MAK erwerben. Ein Kauf beim ADAC in Deutschland ist aber derzeit nicht möglich.

Beim Kauf der E-Vignette müssen Sie genau darauf achten, dass die richtige Variante gewählt und die richtigen Daten dort eingetragen sind. Sie erhalten einen Beleg in der Form einer üblichen Kassenquittung, den Sie direkt unterschreiben müssen. Prüfen Sie vorher die Angaben, weil Sie mit der Unterschrift die Richtigkeit bestätigen und damit auch die Verantwortung für eventuelle Fehler übernehmen. Durch die fremde Sprache ist das mitunter etwas schwierig. Die nötigen Angaben sind:

– Kennzeichen (Rendszám / Registration number)
– Land (Ország / Country)
– Geltungszeitraum (Típus / Type)
– Fahrzeugkategorie (Kategória / Category)

Darunter stehen nochmals die Zeitangaben für Beginn und Ende der Gültigkeit. Zudem sollte ein Seriennummer (Sorszám / Serial number) darauf stehen.

Die Bezahlung erfolgt üblicherweise bar in Forint. An Grenzübergängen wird aber normalerweise auch der Euro zu einem etwas ungünstigeren Kurs akzeptiert. Halten Sie die Beträge möglichst passend bereit und tauschen kein Bargeld bei fliegenden Händlern.

Maut: Online-Erwerb

Zeitsparend und sicherer bezahlen Sie die Maut vorab, indem Sie die benötigte Vignette online kaufen. Dafür bieten sich zwei Webseiten in deutscher Sprache an. Unter https://de-ematrica.autopalya.hu/ müssen Sie allerdings zuerst ein Kundenkonto einrichten. Alternativ nutzen Sie die Webseite https://www.virpay.hu/index-de.htm, wo der Kauf auch ohne Registrierung eines Kundenkontos möglich ist.

Beispielsweise bei Virpay wählen Sie zunächst die Kategorie D1 für PKW oder D1 für Motorräder aus und entscheiden sich für den gewünschten Zeitraum Woche (10 Tage) oder Monat. Dort klicken Sie auf die Schaltfläche Kaufen. Für Busse und Wohnwagen mit mehr als 3,5 t Gesamtgewicht gilt die teurere Kategorie B2. Im nächsten Schritt prüfen Sie den Vignettentyp im betreffenden Kombinationsfeld. Wählen Sie das richtige Länderkennzeichen wie zum Beispiel D – Germany (Deutschland) aus. Danach tragen Sie Ihr Kfz-Kennzeichen verkürzt ohne Sonderzeichen oder Leerzeichen ein, also etwa statt B-CD 1234 nur BCD1234. Stellen Sie das Datum für den Gültigkeitsbeginn ein, ergänzen unbedingt Ihre E-Mail-Adresse für die Zusendung des Belegs und klicken dann zur Überprüfung der Daten auf Weiter. Erst nach einer weiteren Bestätigung gelangen Sie zur Zahlungsseite für eine gesicherte Kreditkartentransaktion.

Webseite von virpay.hu zur Bezahlung der Maut

Webseite von virpay.hu zur Bezahlung der Maut

Die anschließend versendete Bestätigungs-E-Mail enthält einen Link zum Abruf Ihres Belegs. Bewahren Sie diesen zuhause mindestens ein Jahr lang auf und nehmen eine Kopie davon auf die Reise mit. So können Sie bei einer Verkehrskontrolle nachweisen, dass die Maut bezahlt ist.

Hinweis: Da die Maut an das Kennzeichen des Fahrzeugs gebunden ist, ist die elektronische Vignette nicht übertragbar.

Hinweis: Beachten Sie bitte unbedingt, dass seit 1.1.2015 für Wohnmobile und Transporter bis zu 3,5t Gesamtgewicht die teurere Kategorie D2 gilt. Die 10-Tages-Vignette der Kategorie D2 kostet ab 1.1.2016 jetzt 5950 Forint (knapp 20 Euro) und die normale D1-Vignette für PKWs 2975 Forint (knapp 10 Euro).

Kontrollen und Risiken

Das Befahren der Autobahn ohne eine zuvor bezahlte gültige E-Vignette ist eine unberechtigte Straßenbenutzung, die mit einer Nachgebühr geahndet wird.

Achtung: Es genügt nicht, etwa an der nächsten Autobahn-Tankstelle eine E-Vignette ab dem aktuellen Tag zu kaufen. Wenn Ihr Fahrzeug zuvor bereits kontrolliert wurde, hatten Sie zu diesem Zeitpunkt keine gültige E-Vignette. Eine Kontrolle ist sogar vor Ort an der Verkaufsstelle oder Raststätte möglich. Auf den Autobahnen gibt es über 70 fest installierte Kameras. Bei dem nicht so großen Autobahnnetz werden Sie also statistisch mindestens alle 20 Kilometer kontrolliert. Die Kameras nehmen das Kennzeichen des Fahrzeugs, aber nicht den Fahrer auf. Wenn das Kennzeichen im Vignettensystem bekannt ist, wird das Foto sofort wieder gelöscht. Anderenfalls wird es nochmals manuell geprüft und dann beispielsweise im Falle deutscher Kennzeichen an die Ungarische Autobahn Inkasso GmbH mit Sitz in Eggenfelden weitergeleitet, siehe http://autobahninkasso.de/index.html. Diese ist berechtigt und beauftragt, fällige Nachgebühren einzutreiben. Die Adressen des Kraftfahrzeughalters werden vom Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg übermittelt. Die Nachgebühren betragen beispielsweise für einen PKW rund 50 Euro bei Zahlung innerhalb von 30 Tagen sowie rund 200 Euro bei späterer Zahlung. Schwerere Fahrzeuge sind deutlich teurer.

Ursachen für die Forderung einer Nachgebühr können eine falsche Fahrzeugkategorie, Fehler in der Angabe des Kennzeichens, ein falsches Länderkennzeichen oder ein falscher Gültigkeitszeitraum sein. Prüfen Sie in einem solchen Fall Ihren Beleg.

Tipps

Generell empfiehlt es sich, die richtige E-Vignette bequem vorher online zu erwerben. Bei dem relativ günstigen Preis für einen PKW sind Sie damit auf der sicheren Seite, sparen Zeit an der Grenze sowie auf der Strecke. und müssen nicht darauf achten, wo Mautpflicht besteht.

Mautfrei zum Balaton: Wer nur zum Balaton möchte, kann sich die Maut sparen. Dafür fahren Sie von Wien kommend die österreichische Autobahn in Richtung Eisenstadt/Sopron, überqueren dort die Grenze und folgen dann für reichlich 100 Kilometer der Fernstraße 84 zum Balaton. Alternativ können Sie auch ein südlichere Strecke über Graz wählen und dann über Fürstenfeld und den Grenzübergang Heiligenkreuz nach Ungarn fahren.

Verkehrsregeln: Neben Fehlern bei der Maut sind die Missachtung der Lichtpflicht und des Alkoholverbots die häufigsten Fehler von Touristen in Ungarn. Hier habe ich noch weitere Tipps zum sicheren Autofahren in Ungarn.

18 Kommentare

  1. Beachten Sie bitte auch, dass ab Januar 2015 weitere Teile des Autobahn-Stadtrings um Budapest mautpflichtig geworden sind. Aktuelle Informationen dazu bietet der Artikel
    http://www.budapester.hu/2014/12/31/kostenpflichtig-ins-neue-jahr/.

    Für künftige weitere Änderungen beachten Sie bitte auch den Twitter-Feed
    https://twitter.com/UngarnReise

    Als Tourist empfiehlt es sich die Maut-Vignette zu erwerben. Dann sind Sie auf der sicheren Seite.

  2. Schwarz, Heinz

    Ich bin bisher Maut frei von Bratislava auf der Autobahn kommend zum Balaton gefahren. Dabei benutze ich zum Balaton die Autobahn von Wien nach Budapest nur 5km und fahre über Csorna zum Balaton.
    Hat sich da etwas geändert? Ich habe eine Zahlungsaufforderung zur Ersatzmaut bekommen.

    • Es sind alle Autobahnabschnitte gebührenpflichtig. Für die Mautpflicht genügt auch so ein kurzer Abschnitt. Sie sollten die Ersatzmaut jetzt zahlen, da diese auch eingetrieben wird. Zur Vermeidung der Maut können Sie künftig schon ab Bratislava die Straße nach Mosonmagyaróvár wählen und dann über Csorna weiterfahren.

  3. Ein sehr informativer Artikel. Vor einer Anreise sollte man sich über diese Dinge unbedingt informieren.

  4. Gilt die Mautpflicht auch für Autostraßen/Schnellstraßen? War im Juli 2015 in Ungarn und bin dort vom Balaton kommend zurück nach Heviz gefahren und habe dafür zum Teil eine Autostraße genutzt. An der Auffahrt war kein Hinweis auf eine Mautpflicht. Habe jetzt eine Zahlungsaufforderung für eine Ersatzmaut zzgl. Kosten und Gebühren von der Ungarische Autobahn Inkasso GmbH erhalten ….

    • Die Mautpflicht gilt nur für Autobahnen und vor dem Befahren eines mautpflichtigen Abschnittes sollte immer der Hinweis „Matrica“ stehen. Möglicherweise sind sie auf der Südseite des Balaton unterwegs gewesen und irgendwo auf die M7 geraten. Oder Sie sind bereits bei der Ein- oder Ausreise über Hegyeshalom gefahren. Fragen Sie doch bei der Ungarischen Autobahn Inkasso GmbH nach, wo das passiert ist und ob das Kennzeichen zutrifft. Wer zum fraglichen Zeitpunkt eine gültige Vignette hatte, kann dies dort versuchen, nachzuweisen. Anderenfalls wird ein Nachweis wohl sehr schwierig. Ich würde empfehlen, den Betrag nach Rückfrage dort zu bezahlen. Durch längeres Warten werden die Kosten nur noch höher und später doch eingetrieben.

  5. Hallo, wir wollen dieses Jahr seit längerer Zeit mit unserem Wohnmobil nach Ungarn fahren. Jetzt bin ich doch etwas verunsichert, was die Maut auf den Straßen angeht. Ist es wirklich so, dass man nur auf den Autobahnen für ein Wohnmobil Maut bezahlen muss, oder gibt es auch andere Straßen, vergleichbar mit den Bundesstraßen in Deutschland, die auch Mautpflichtig sind? Ich habe nämlich keine Lust, so wie Katja weiter oben geschrieben hat, nach meinem Urlaub eine horrende Rechnung von der „Ungarischen Inkasso GmbH“ zu bekommen. Da fahre ich doch gleich lieber woanders hin und lasse mich in Ungarn nicht mehr blicken.

    • Mautpflicht besteht auch per Wohnmobil nur auf den Autobahnen in Ungarn. Es gilt aber die teurere Kategorie D2 für die Vignette (Matrica) – etwa 20 Euro für die 10-Tages-Vignette.
      Eine aktuelle Übersicht der mautpflichtigen Strecken gibt eine Karte unter http://maut-tarife.hu/articles/article/strassennetz.
      Wer nur zum Balaton möchte, kann aber mautfrei über Sopron fahren oder die Südroute über Graz wählen. Auf der Balaton-Südseite sollte man nicht versehentlich mal auf die Autobahn gelangen.

  6. so wie ich das jetzt sehe, ist jetzt ( 2016 ) auch die früher kostenfreie umfahrung von Györ über die M1 nicht mehr möglich. trifft das so zu ??
    danke und gruss

  7. Gerhard Büsch

    Besteht mautplicht für ein Wohnmobil über 3,5 Tonnen auf der Strasse 84 zwischen Sopron und balaton

    • Die Straße von Sopron zum Balaton ist auch für das Wohnmobil nicht mautpflichtig. Die Mautpflicht auf Fernstraßen betrifft nur LKW über 3,5t Gewicht und wird über das elektronische Systeme Hu-Go abgerechnet. Sämtliche Wohnmobile werden per E-Vignette abgerechnet und fallen in die Gebührenkategorie D2 (siehe http://maut-tarife.hu/articles/article/gebuhrentabelle).

      • Hallo,
        ich möchte auch in kürze mit Auto und Wohnwagen Maut frei zum Balaton fahren.
        Gibt es bei oder nach Sopron die Möglichkeit für die Mittagspause eine gute Csarda mit Gespann anzufahren. Hätten Sie da eventuell eine Empfehlung für mich?

        Vielen Dank für Ihre Mühe!
        Freundliche Grüße.

        • Hallo, ich denke, die Csikos Csárda in Nagycenk (12km nach Sopron) wäre eine gute Möglichkeit. Sie liegt direkt an der Straßengabelung der 84 am Ortseingang von Nagycenk. Weitere Infos und auch eine deutsche Speiesekarte gibt es auf der Webseite http://csikoscsarda.hu/. Ich habe diese Csárda aber selbst noch nicht getestet. Wenn genügend Zeit bleibt in Nagycenk empfiehlt sich ein Besuch des spätbarocken Szechenyi-Schlosses (seit 2002 UNESCO Weltkulturerbe). Viele Grüße und Gute Fahrt.

          • Vielen Dank für die schnelle Antwort!

            Muss man sich sorgen bezüglich Diebstahl machen, wenn das Gespann vielleicht
            nicht gerade im Blickfeld liegt?

          • Man muss sich in Ungarn keine Sorgen machen. Die Kriminalität ist nicht höher als etwa in Deutschland. Man sollte aber allgemeine Vorsichtsmaßnahmen beachten und etwa keine Wertsachen sichtbar im Fahrzeug liegenlassen. An sehr touristischen Orten gibt es etwas Kleinkriminalität, im ländlichen Raum nahezu nicht. Zudem zeigt die Polizei regelmäßig Präsenz.

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