Csárda

Csikós Csárda Nagycenk – empfehlenswerte Rast auf dem Weg zum Balaton

Die Anfahrt zum Balaton führt häufig über Sopron und dauert ihre Zeit. Unterwegs wäre eine Rast mit ordentlicher ungarischer Küche sehr willkommen. Es empfiehlt sich die Csikós Csárda in Nagycenk.
Laut Google Maps ist die Csikós Csárda ab 2019 dauerhaft geschlossen. Auch deren Webseite ist nicht mehr erreichbar. Schade.

Csikós Csárda in Nagycenk kurz hinter Sopron

Csikós Csárda Nagycenk, Innenansicht
Csikós Csárda Nagycenk, Innenansicht

Wer über Österreich und Sopron auf der Straße zum Balaton anreist, kommt fast unweigerlich an der Csikós Csárda in Nagycenk vorbei. Sie liegt in diesem kleineren Ort etwa 12 Kilometer hinter Sopron an der Gabelung der beiden Fernstraßen 84 (Richtung Keszthely am Balaton) und 85 (Richtung Györ). Auffällig ist die Bauweise mit dem großen schräg aufragenden Vordach. Csikós Csárda bedeutet übrigens etwa so viel wie „Fohlenhof“ oder „Wirtshaus zum Pferdehirten“.

Sicherlich bietet die schöne und historische Stadt Sopron noch einige Restaurants mehr. Ein Besuch dort ist aber auch mit Zeitverlust und Parkplatzsuche verbunden. Wer eine schnelle Rast auf einer langen Tour sucht, ist hingegen in Nagycenk an der richtigen Stelle. Die Csikós Csárda ist aber keine Raststätte, sondern durchaus ein beliebtes Ausflugslokal auch für viele Österreicher, deren Grenze nur wenige Kilometer entfernt ist. Egal, ob es die erste Rast auf der Anreise ist, die letzte auf der Heimreise oder ein ausgiebiger Ausflug, die angenehme Atmosphäre der Csárda lohnt den Besuch.

Kulinarische Grenzgänger in der Csárda?

Treffen wir nun auf Touristenessen? Naja, ein paar Dinge muten schon so an, dass man sich auf seine Kundschaft eingestellt hat, etwa Schweinemedaillons mit Champignonrahmsauce, Reis und Kroketten. Die große Mehrzahl der angebotenen Gerichte ist aber typisch ungarisch und kann auch qualitativ überzeugen.

Den Auftakt unserer letzten Rast bot eine Knoblauchcremesuppe, serviert im Brotmantel. Das sieht nicht nur sehr dekorativ aus, sondern ist auch üppig und schmackhaft. Mit der Zeit weicht natürlich der Brotlaib ziemlich ein und sättigt dann von innen heraus auch ungemein.

Knoblauchcremesuppe in der Csikós Csárda
Knoblauchcremesuppe in der Csikós Csárda

Weiter ging es für mich mit Rindspörkölt mit Nockerln – ein traditionelles, vorbereitetes ungarisches Gericht. Solide zubereitet, da kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Der scharfe Paprika wäre (in Form von Erös pista) auf Anfrage erhältlich, ein gleich mit servierter grüner scharfer Ring als zusätzliche Deko und Würzung hätte aber nicht geschadet. Der Zander für meine Frau war hervorragend gebraten, frisch und dezent gewürzt, nett dekoriert und neben der Knoblauchbutter waren auch die Butterkartoffeln dazu ebenfalls frisch bereitet (für 2450 Forint – etwa 8 Euro).

Zander in der Csikós Csárda
Zander in der Csikós Csárda Nagycenk
Salzgurken in der Csikós Csárda
Salzgurken (kovaszos uburka) in der Csikós Csárda

Neben den Hauptgerichten bestellt man in Ungarn oft auch Beilagen separat dazu. Außer Nockerl, Reis oder Kartoffeln sind damit aber auch diverse würzige Gemüse gemeint. Zum Pörkölt entschied ich mich also für sauer marinierte Paprika. Daraufhin bot mir der gut Deutsch sprechende Kellner an, „seine“ Salzgurken zu probieren, die er jedes Jahr selbst macht. Begeistert stimmte ich dem zu, denn die ungarischen Salzgurken (Kovaszos uborka) kenne ich schon seit längerem und habe sie in diesem Jahr erstmals erfolgreich selbst angesetzt. Natürlich waren sie leicht eingeritzt, noch knackig, mit milder Milchsäure aus der natürlichen Gärung und mit etwas weniger Dill gewürzt als meine eigenen. Schön, dass es sowas wirklich noch in einer Csárda gibt.

Hosszú kávé im Kaffeeglas in der Csikós Csárda
Hosszú kávé im Kaffeeglas in der Csikós Csárda

Nach den Portionsgrößen war wiederum kein Platz mehr für ein Dessert. Somlauer Nockerln und verschiedene Palatschinken hätten zur Auswahl gestanden. Es blieb aber einfach bei einem richtigen Kaffee (hosszú kávé) – stilvoll serviert in einem Kaffeeglas – und das für gerade einmal 330 Forint (etwa 1,10 Euro).

Die Speisekarte bietet neben Tatar als Vorspeise und den typisch ungarischen Suppen bis hin zum Kesselgulasch einige Fischgerichte von Zander bis Forelle für weniger als 10 Euro an. Dazu kommen Hähnchen- und Putengerichte sowie einige Varianten der Schweinemedaillons für rund 7 Euro. Auch auf vegetarische Gerichte und Kinderangebote ist man vorbereitet.

Günstige Getränke, aber wenig Wein

Neben dem bereits erwähnten Kaffee ist auch das lokale und in ganz Ungarn beliebte Bier Soproni günstig erhältlich (520 Forint, etwa 1,70 Euro der halbe Liter). Statt bekannter Erfrischungsgetränke sollte man mal einen Holunderspritz probieren. Die Weinauswahl ist allerdings sehr begrenzt und konzentriert sich auf Hauswein aus der eigenen Region um Sopron. Allerdings ist da der Schoppen Wein oft noch günstiger als ein Bier. Für das gute Essen würde ich mir da durchaus noch etwas mehr Auswahl beim Wein wünschen, aber vermutlich reicht die Nachfrage dafür (noch) nicht aus.

Etwas betrübt erzählte uns einer der Kellner noch: „Viele kommen mit großen Autos über Tausende Kilometer hier vorbei und teilen sich dann zu zweit eine Suppe. Davon können wir nicht leben.“ Traurig. Dabei könnten viele Touristen dort sehr preisgünstig essen und gut leben – wenn sie es denn täten oder tun, dann könnten es auch die Leute der Csárda etwas besser.

Zum Ambiente der Csikós Csárda

Als ich erneut die Kamera zückte, kam der freundliche Kellner nochmals auf mich zu und erklärte mir die Bilder in der Csárda. Als Gliederung und Raummitte des eher rund angelegten Gastraumes trägt ein Pfeiler mit mehreren Metern Durchmesser zwei Gemälde auf seiner Rundung. Natürlich sind das keine Originale. Aber die eine Reiterszene sollte das Motiv sein, welches früher auf dem alten Geldschein zu 100 Forint die Rückseite zierte. Nun ja, Farbigkeit und Dramatik werden hier nicht so erreicht, aber die Ähnlichkeit des Motivs ist unverkennbar.

Wandbild in der Csikós Csárda
Wandbild in der Csikós Csárda

Die Vorlage beider Darstellungen stammt übrigens vom recht bekannten Deutsch-Ungarischen Maler des 19. Jahrhunderts Karóly Lotz, dessen Werke vor allem als Deckengemälde etwa in der Oper oder dem Parlament von Budapest zu finden sind, ebenso in der Stephansbasilika, der großen Markthalle oder dem Ostbahnhof Budapest sowie in der Abteikirche von Tihany.

Rückseite des alten Geldscheins zu 100 Forint
Rückseite des alten Geldscheins zu 100 Forint

Nagycenk ist mehr als nur Durchreiseort

Wer doch etwas mehr Zeit hat, sollte in Nagycenk selbst das Széchenyi-Schloss und die berühmte Lindenallee besuchen. Hinzu kommen des Széchenyi-Mausoleum und ein Hengstgestüt. Zudem ist Nagycenk ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge in die historische Stadt Sopron, nach Fertöd mit dem Eszterházy-Schloss sowie zu den Naturschönheiten im Nationalpark Fertö-Hanság (Fertöd-Neusiedler See), ebenfalls Weltkulturerbe der UNESCO.

Csikós Csárda: praktische Informationen

Adresse:

9485 Nagycenk, Vámrét út 1
An der Straßengabelung von der 84 zum Balaton und der 85 nach Györ neben der MOL-Tankstelle in der Nähe von Sopron
Telefon: +36 99 701 031
E-Mail: nicht mehr erreichbar
Webseite: nicht mehr erreichbar

Öffnungszeiten:

Restaurant täglich 10:30-22 Uhr.

Koordinaten:

47,61373° N / 16,6899° O

Fazit:

Praktisch an der Route zum Balaton gelegen, preisgünstig und eine gute Küche. Wer ungarische Gerichte wählt, wird wohl kaum enttäuscht. Die Weinauswahl ist leider recht knapp.

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Reisewege-ungarn.de bietet als Fazit eine Bewertung aus eigener Erfahrung an, die von 1 bis 5 Paprikaschoten (was auch sonst in Ungarn) reicht.

 

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