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Korbstand auf dem Brückenmarkt Hortobágy
Korbstand auf dem Brückenmarkt Hortobágy

Brückenmarkt Hortobágy – wo (sich) die Ungarn selbst feiern

In Hortobágy im Herzen der ungarischen Puszta ist alljährlich um den Nationalfeiertag am 20. August der Brückenmarkt (Hídivásár) ein Highlight.

Wahrzeichen von Hortobágy und der Puszta ist die Neunlochbrücke. Zugleich ist sie Namensgeber für den beliebten großen Brückenmarkt (Hídivásár), der alljährlich rund um den Nationalfeiertag am 20. August zu Ehren des Staatsgründers Ungarns, dem Heiligen Stephan, abgehalten wird. Für das Markttreiben wäre die historische Brücke zu klein, sodass es sich weiträumig auf den Wiesen des Ortes verteilt.

Markttreiben zwischen Tradition und Nützlichkeit

Trotz der Größe und des Volksfestcharakters bleibt der Brückenmarkt in Hortobágy durchaus vorrangig ein Markt. Allerdings geht es hier weniger um Alltagswaren wie Eier, Paprika oder Kartoffeln, sondern mehr um Handwerkskunst und typisch ungarische Dinge, die man nur gelegentlich einkauft und sonst nicht so einfach findet. Daher ist der Markt auch für Touristen sehr interessant, ohne touristisch zu wirken. Die Einheimischen aus Debrecen und den Puszta-Orten stellen hier klar die Mehrheit.

Das Angebot ist sehr vielfältig, einfach was zum Stöbern …

Gulaschkessel auf dem Brückenmarkt Hortobágy

Gulaschkessel auf dem Brückenmarkt Hortobágy

Keramik auf dem Brückenmarkt Hortobágy

Keramik auf dem Brückenmarkt Hortobágy

Lederhüte auf dem Brückenmarkt Hortobágy

Lederhüte auf dem Brückenmarkt Hortobágy

Kuhhörner, Schaffelle, Hirtenhüte und Lederwaren machen neugierig. Korbwaren und die typisch ungarischen Gulaschkessel sind allgegenwärtig. In der Praxis verwendet man übrigens die schwarz und hellgrau emaillierten Kessel oder eventuell welche aus Gusseisen. Varianten aus Edelstahl oder gar Kupfer sehen zwar eindrucksvoll aus, sind aber nur was Touristen. Keramik und vor allem hölzerne Küchenhelfer sind ebenfalls häufig anzutreffen. Zudem werden Knoblauch, Zwiebeln, Paprikapulver und Honig feilgeboten.

Weiter hinten im Gelände gibt es diverse Stände mit Antik und Trödel. Alte Holzgerätschaften, Werkzeuge, Tongefäße, bestickte Decken, Sodaflaschen, Kuhglocken und vieles mehr geben Einblick in das ländliche Leben. Ein paar Anbieter präsentieren aber auch wuchtige neue Gartenmöbel aus Massivholz.

Antik und Trödel, Brückenmarkt Hortobágy

Antik und Trödel, Brückenmarkt Hortobágy

Kulinarisches auf dem Brückenmarkt in Hortobágy

Essen, Trinken und Traditionen haben einen hohen Stellenwert, natürlich auch hier in Hortobágy. Typisches Hirtenessen aus dem Kessel wie Rinderpörkölt, Schafpörkölt, Fleckepörkölt oder Bohnengulasch ist im Angebot für rund 5 Euro die Portion. Hier wird authentisch gekocht, daher sind in einer typischen Portion schon mal die Knochen mit drin. Geschmacklich ist das auf jeden Fall lohnenswert.

Pörköltstand auf dem Brückenmarkt Hortobágy

Pörköltstand auf dem Brückenmarkt Hortobágy

Deftig aus dem Kessel, Brückenmarkt Hortobágy

Deftig aus dem Kessel, Brückenmarkt Hortobágy

Schafpörkölt (Birhapörkölt), Brückenmarkt Hortobágy

Schafpörkölt (Birhapörkölt), Brückenmarkt Hortobágy

Komfortabler geht es in der traditionellen Hortobágy-Csárda nahe der Neunlochbrücke zu. Sie ist immer eine gute Empfehlung, aber direkt aus dem Kessel bleibt dennoch authentischer und geschmacklich unerreicht.


Ganzjährig beliebt sind ebenfalls die gegrillten Teigrollen eines Kürtöskalács. Neben handwerklichem Bier ist im Hochsommer vor allem die hausgemachte Limonádé zu empfehlen. Sehr interessant fanden wir auch das Cocktail-Angebot am Mojito-Rad. Das Angebot ist übrigens sehr familientauglich und für Sommerhitze geeignet, denn viele Varianten sind alkoholfrei erfrischend wie etwa ein „Viola“, eine Mischung aus Zitrone, Limette, Minze, Eis, Sodawasser und blauem Traubensirup für rund 1,50 Euro. Die alkolischen Mojita-Klassiker gibt es für rund 2,50 Euro.

Limonádé und Kürtöskalács auf dem Brückenmarkt Hortobágy

Limonádé und Kürtöskalács auf dem Brückenmarkt Hortobágy

Mojito-Stand, Brückenmarkt Hortobágy

Mojito-Stand, Brückenmarkt Hortobágy

Traditionen und Familienfreundlichkeit

Auf zwei Bühnen wird auf dem Marktplatz und nahe dem Flussufer zum Puszta-Fest eingeladen. Von Volksliedern und Volksmusik über ein Zither-Ensemble bis hin zu diversen Volkstanzgruppen der Region reicht das Programm. Zum Abend hin gibt es aber auch Rockmusik. Hier ist das Programm zu finden. Auf dem Markt begegnet man immer wieder mal einem Hirten mit traditionellem, prächtigem Gewand.

Volkstanz beim Brückenmarkt in Hortobágy

Volkstanz beim Brückenmarkt in Hortobágy

Zither-Spieler in Hortobágy

Zither-Spieler in Hortobágy

Kinder können sich an ungewöhnlichen hölzernen Spielgeräten versuchen, mit einem Karussell komplett aus Holz fahren oder etwa auch eine modernere Hüpfburg in Gestalt der sinkenden Titanic besuchen.

Die Neunlochbrücke von Hortobágy

Neun-Loch-Brücke Hortobágy

Neun-Loch-Brücke Hortobágy

Zum Besuch beim Brückenmarkt gehört natürlich auch ein Abstecher direkt an die Neunlochbrücke – ungarisch Kilenclyukú hid. Auf den esten Blick mag sie nicht so imposant erscheinen wie die berühmten Brücken in Budapest, denn sie bleibt flach im Gelände.

Neunlochbrücke in Hortobágy

Neunlochbrücke in Hortobágy

Ein Bogen der Neunlochbrücke in Hortobágy

Ein Bogen der Neunlochbrücke in Hortobágy

Die Brücke überspannt übrigens nicht wie manchmal genannt die Theiß, sondern das kleine Flüsschen Hortobágy, was weiter südlich bei Mezőtúr in den Körös mündet und schließlich erst bei Csongrád die Theiß erreicht. Das Flüsschen Hortobágy stammt ursprünglich aus der Gegend um Tiszavasvári nahe Tokaj. Die von 1827 bis 1833 nach den Plänen von Ferenc Povolny im klassizistischen Stil aus Stein erbaute Konstruktion mit ihren neun Löchern bzw. Bögen ist insgesamt 167,3 Meter lang und damit die größte Straßenbrücke des alten Ungarn. Damals diente sie als Ersatz für die alte Holzbrücke von 1697, die bei Hochwasser häufig beschädigt wurde und für die Herdenbewegungen der Viehhändler aus Debrecen gen Westen nicht mehr ausreichte. Übrigens wurden ungarische Graurinder aus der Puszta bereits damals bis nach Nürnberg getrieben, wie man am Ochs von Nürnberg erkennen kann (siehe Graurindmarkt). Die Struktur der Neunlochbrücke hat die Zeit fast unbeschädigt überdauert, sie war ein berühmtes Motiv für Ungarns Expressionisten Csontváry und ist noch heute das Wahrzeichen der Puszta. Seit 2009 gehört auch die Brücke im Rahmen des Nationalparks Hortobágy Puszta zum ungarischen UNESCO-Weltkulturerbe.

Praktisches

Adresse:

4071 Hortobágy, Petöfi tér
Freier Eintritt.

Koordinaten:

47,5812°N / 21,1505°O

Parken:

In den wenigen Straßen des Ortes besteht wenig Aussicht auf einen Parkplatz. In Hortobágy richtet man bei Veranstaltungen einen kostenpflichtigen Großparkplatz auf der Wiese ein. Folgt einfach den Einweisern und seht die Parkgebühr (zuletzt 1.000 Forint – gut 3 Euro) irgendwie als Eintritt für die sonst kostenlose Veranstaltung.

Weitere Informationen:

Die Webseite des Nationalparks informiert auf Ungarisch über den Brückenmarkt. Die englische Variante der Seite hat aber bisher meistens nicht die Informationen zu den Veranstaltungen. Das Programm des Brückenmarktes ist auch unter http://hortobagyidelibab.hu/esemeny/hortobagyi-hidivasar-4/ zu finden.

Weitere Informationen erhält man ebenfalls vor Ort im Tourinform am Petőfi tér 9 in der Nähe des Verkehrskreisels, teils auch auf Englisch und Deutsch.

Übernachten:

In Hortobágy gibt es eine ganze Reihe Privatzimmer, die über die Tourinform vor Ort und zum Teil über Booking* zu buchen sind. Interessante ist auch die Patkós Csárda westlich nahe Tiszafüred. 

*Affiliate-Link

2 Kommentare

  1. Hallo, dies ist ein wirklich toller Ungarn-Ratgeber! Vielen Dank. Über den Beitrag zum Brücken Markt in Hortobágyi bin ich so begeistert, dass ich von meinem Blog dorthin verlinkt habe. Ein wirklich sehr guter und informativer Beitrag! Liebe Grüße Bettina vom Captain’s Dinner Blog

    • Hallo Bettina, vielen Dank fürs Verlinken. So bin ich auch auf Deine interessanten Beiträge über Ungarn aufmerksam geworden. Gerne schaue ich dann weiter, wo die kulinarische Reise sonst noch hinführt. Viele Grüße von Peter

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